Warum lassen sich beschichtete Pappbecher für Kaffee to go nur sehr schwer recyceln?
Dass beschichtete Pappbecher (Coffee-to-go-Becher) so schwer zu recyceln sind, liegt vor allem an ihrer Bauweise und den technischen Grenzen herkömmlicher Recyclinganlagen.
Hier sind die Hauptgründe im Detail:
1. Das Problem des Verbundmaterials
Ein Pappbecher besteht nicht nur aus Papier. Damit er durch den heißen Kaffee nicht aufweicht, ist die Innenseite mit einer dünnen Schicht Kunststoff (meist Polyethylen, kurz PE) überzogen.
- Die Trennung: Im Recyclingprozess müssen Papierfasern und Kunststoff voneinander getrennt werden. Da die Kunststoffschicht jedoch sehr fest mit den Papierfasern verklebt bzw. verschweißt ist, lässt sie sich in herkömmlichen Papierfabriken nur schwer lösen.
2. Schwierigkeiten im herkömmlichen Papierrecycling
Papierrecycling funktioniert vereinfacht so: Das Altpapier wird in Wasser eingeweicht und zerhäckselt, bis ein Brei (Pulp) entsteht.
- Abstoßungsreaktion: Die Kunststoffbeschichtung verhindert, dass das Wasser schnell an die Papierfasern gelangt.
- Maschinenschäden: In normalen Anlagen verfangen sich die Plastikreste in den Sieben und Filtern. Diese "Störstoffe" müssen aufwendig aussortiert werden. Oft landen die Becher deshalb gar nicht erst im Papierrecycling, sondern werden direkt aussortiert und verbrannt.
3. Falsche Entsorgung (Logistik)
Damit ein Becher recycelt werden könnte, müsste er korrekt entsorgt werden.
- Unterwegs: Die meisten Coffee-to-go-Becher werden unterwegs in öffentlichen Mülleimern entsorgt. Dieser Abfall landet im Restmüll und wird zur Energiegewinnung verbrannt, nicht recycelt.
- Gelbe Tonne vs. Papiertonne: Viele Verbraucher werfen den Becher in die Papiertonne (falsch, wegen der Beschichtung) oder in die Gelbe Tonne. Selbst in der Gelben Tonne ist die Sortierung schwierig, da die Becher oft als "Mischmaterial" erkannt und ebenfalls der thermischen Verwertung (Verbrennung) zugeführt werden.
4. Das Problem mit "Bio"-Bechern (PLA)
Es gibt Becher, die statt PE eine Beschichtung aus PLA (Polymilchsäure) haben, einem biologisch abbaubaren Kunststoff aus Maisstärke.
- Keine Lösung fürs Recycling: PLA verhält sich in der Recyclinganlage fast genauso wie PE. Es stört den Prozess.
- Kompostierung: Auch wenn sie "kompostierbar" sind, bauen sie sich in industriellen Kompostieranlagen oft zu langsam ab und werden deshalb auch dort aussortiert und verbrannt.
5. Verschmutzung
Recyclinganlagen bevorzugen sauberes Material. Coffee-to-go-Becher sind oft mit Getränkeresten (Milch, Zucker, Kaffee) verunreinigt. Diese Rückstände können die Qualität der wiedergewonnenen Papierfasern verschlechtern oder Schimmelbildung im Lagersystem begünstigen.
6. Wirtschaftlichkeit
Es gibt zwar Spezialanlagen, die Verbundstoffe trennen können (z. B. zur Verwertung von Getränkekartons/Tetra Paks), aber die Logistik, diese Becher massenhaft und sortenrein dorthin zu bringen, ist teuer. Für viele Entsorger lohnt sich der Aufwand finanziell nicht, da der Ertrag an hochwertigen Fasern im Vergleich zu den Kosten zu gering ist.
Fazit
Obwohl der Becher nach "Pappe" aussieht, ist er technisch gesehen ein komplexes Verbundprodukt. Die beste Lösung für die Umwelt ist daher nicht das Recycling von Einwegbechern, sondern die Nutzung von Mehrwegsystemen.