Warum lässt sich der letzte Rest der Zahnpasta bei den sehr kleinen Tuben in Reisegröße oft nur schwer herausdrücken?
Dass man bei den kleinen Reisegrößen von Zahnpastatuben oft verzweifelt, liegt an einer Kombination aus Physik, Geometrie und Materialbeschaffenheit. Hier sind die Hauptgründe:
1. Das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen
Dies ist der wichtigste mathematische Faktor. Eine kleine Tube hat im Verhältnis zu ihrem geringen Inhalt eine sehr große Innenoberfläche.
- Zahnpasta ist viskos (zähflüssig) und haftet an den Innenwänden der Tube (Adhäsion).
- Da bei einer kleinen Tube fast die gesamte Paste Kontakt mit der Wand hat, bleibt prozentual viel mehr Material kleben als bei einer großen Tube, bei der der Großteil der Paste "in der Mitte" des Volumens liegt und keinen Wandkontakt hat.
2. Mangelnde Hebelwirkung und "Rollbarkeit"
Bei einer großen Tube kann man das leere Ende bequem aufrollen oder umknicken. Dadurch baut man einen hohen Innendruck auf, der die Paste nach vorne presst.
- Bei den winzigen Reisetuben ist das Material oft zu kurz, um es effektiv zu rollen.
- Deine Finger nehmen fast die gesamte Fläche der Tube ein. Man drückt oft eher die Seiten zusammen, anstatt die Paste von hinten nach vorne zu schieben. Es fehlt schlicht der Platz für die nötige Mechanik des Ausquetschens.
3. Die Steifigkeit des Materials
Kleine Tuben müssen stabil sein, damit sie im Kulturbeutel nicht sofort platzen oder zerknicken. Deshalb ist der Kunststoff im Verhältnis zur Tubengröße oft dicker oder steifer als bei großen Tuben.
- Dieses steifere Material leistet mehr Widerstand beim Zusammendrücken.
- Sobald man loslässt, geht die Tube leicht in ihre Ursprungsform zurück und saugt die Paste, die man gerade mühsam nach vorne befördert hat, durch den entstehenden Unterdruck wieder ein Stück zurück.
4. Die Geometrie der "Schulter"
Der Bereich, in dem die Tube in den Flaschenhals übergeht (die sogenannte Schulter), ist bei fast allen Tuben aus hartem Kunststoff.
- In dieser "Ecke" verfängt sich die Paste. Bei einer kleinen Tube macht dieser "Totraum" in der Schulter und im Hals einen viel größeren Prozentsatz des Gesamtinhalts aus als bei einer 125-ml-Tube. Man kommt mit den Fingern schlicht nicht in diese harten Winkel hinein.
5. Die Physik der Fließgrenze (Bingham-Fluide)
Zahnpasta ist ein sogenanntes Bingham-Fluid. Sie fließt erst, wenn eine bestimmte Mindestkraft (Fließgrenze) auf sie einwirkt. Bei einer kleinen Tube ist es schwieriger, diese Kraft gleichmäßig auf den restlichen Film an den Wänden auszuüben, weshalb der "Rest" einfach fest an der Wand haften bleibt, anstatt nach vorne zu fließen.
Pro-Tipp für die Reise: Wenn gar nichts mehr geht: Die Tube am Ende festhalten und ein paar Mal kräftig schleudern (wie ein Fieberthermometer), damit die Zentrifugalkraft die Paste in den Kopf der Tube drückt. Oder – wenn man nachhaltig sein will – die Tube mit einer Schere aufschneiden; meist reicht der Rest darin noch für zwei bis drei weitere Anwendungen.