Warum bleibt oft ein ungenutzter Rest Zahnpasta in der Tube zurück?
Dass oft ein Rest Zahnpasta in der Tube zurückbleibt (manchmal bis zu 10 oder 15 Prozent des Inhalts), hat physikalische, technische und materialbedingte Gründe. Hier sind die wichtigsten Faktoren:
1. Die Viskosität (Fließeigenschaften)
Zahnpasta ist ein sogenanntes Bingham-Fluid (eine Form eines nicht-newtonschen Fluids). Das bedeutet, sie verhält sich wie ein Festkörper, solange kein Druck ausgeübt wird, und fließt erst, wenn eine bestimmte Kraft (die Fließgrenze) überschritten wird. Da die Paste sehr zähflüssig (hochviskos) ist, haftet sie stark an den Innenwänden der Tube. Die Reibung zwischen der Paste und der Tubenwand ist oft größer als die Kraft, die man durch bloßes Drücken mit den Fingern auf die letzten Reste ausüben kann.
2. Die Geometrie der Tube (Der "Tote Winkel")
Die Konstruktion der Tube ist am oberen Ende problematisch. Dort, wo die Tube in das Gewinde für den Deckel übergeht (die sogenannte Tubenschulter), ist das Material meist dicker und starrer.
- In diesem konischen Bereich entstehen Ecken und Kanten, in die man mit den Fingern nicht hineindrücken kann.
- Da der Verschlussmechanismus (das Gewinde) starr ist, bleibt in diesem "Hals" zwangsläufig ein Rest zurück, den man nicht herauspressen kann, ohne die Tube zu zerstören.
3. Das Material: Kunststoff vs. Aluminium
Früher bestanden Zahnpastatuben aus Aluminium. Diese hatten keinen "Memory-Effekt": Wenn man sie knickte oder rollte, blieben sie in dieser Form. Man konnte die Paste also sehr effizient nach vorne schieben. Moderne Tuben bestehen meist aus Polyethylen (Kunststoff). Dieses Material ist elastisch und hat eine hohe Rückstellkraft. Wenn man die Tube drückt und wieder loslässt, will sie in ihre ursprüngliche Form zurückkehren. Dabei entsteht ein leichter Sog, der die Paste wieder von der Öffnung weg ins Innere zieht.
4. Adhäsion
Die Moleküle der Zahnpasta haften an der Kunststoffoberfläche der Tubeninnenwand (Adhäsion). Da die Oberfläche im Inneren der Tube im Verhältnis zum Volumen recht groß ist, bleibt ein dünner Film über die gesamte Länge der Tube kleben.
5. Wirtschaftliche Aspekte
Es gibt zwar Technologien, um Tuben restlos zu entleeren (z. B. spezielle Innenbeschichtungen wie "LiquiGlide", an denen nichts haftet), aber diese sind in der Herstellung teurer. Zudem haben die Hersteller kein großes wirtschaftliches Interesse daran, dass Tuben zu 100 % leer werden: Wenn ein Rest zurückbleibt, kauft der Kunde statistisch gesehen früher eine neue Tube.
Was kann man dagegen tun?
- Tubenaufroller/-ausquetscher: Kleine Plastikschlüssel oder Klemmen helfen, den Inhalt gleichmäßig nach vorne zu schieben.
- Fliehkaft: Die Tube am Ende festhalten und kräftig schleudern (wie ein Thermometer), um die Paste in den Kopf zu befördern.
- Aufschneiden: Wenn man die Tube mit einer Schere aufschneidet, findet man meist noch genug Zahnpasta für 3 bis 5 Tage. (Danach aber gut abdecken, damit sie nicht austrocknet).