Warum können die ätherischen Öle im Sesam bei falscher Lagerung den Geschmack des gesamten Brötchens verderben?

Melden

Dass Sesam bei falscher Lagerung den Geschmack eines ganzen Brötchens verderben kann, liegt an der chemischen Zusammensetzung der Samen und einem Prozess namens Oxidation.

Hier sind die Gründe im Detail:

1. Hoher Fettgehalt und ungesättigte Fettsäuren

Sesamsamen bestehen zu etwa 50 % aus Fett. Ein Großteil davon sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Diese sind zwar gesund, aber chemisch sehr instabil. Die „ätherischen Öle“ (eigentlich sind es eher die fetten Öle und deren Begleitstoffe), die für das feine Aroma verantwortlich sind, reagieren sehr empfindlich auf äußere Einflüsse.

2. Der Prozess des Ranzigwerdens (Oxidation)

Wenn Sesam falsch gelagert wird – also zu warm, unter Lichteinfluss oder bei Kontakt mit Sauerstoff – setzen chemische Reaktionen ein:

  • Die ungesättigten Fettsäuren spalten sich auf.
  • Es entstehen Abbauprodukte wie Peroxide, Aldehyde und Ketone.
  • Diese Stoffe haben bereits in geringsten Konzentrationen einen extrem intensiven, unangenehmen Geschmack: Er wird bitter, kratzig, seifig oder „muffig“.

3. Die Diffusion (Ausbreitung) im Brötchen

Das Hauptproblem für das gesamte Brötchen ist, dass diese ranzigen Stoffe flüchtig sind.

  • Geruchsübertragung: Die entstandenen Gase dringen tief in die Krume (das Innere) des Brötchens ein. Da Brot wie ein Schwamm porös ist, nimmt es diese Fehlaromen sehr leicht auf.
  • Fettwanderung: Wenn das Brötchen aufgebacken wird, treten die Öle aus dem Samen leicht aus und ziehen in die Kruste ein. Ein einziger ranziger Sesamsamen kann so eine große Fläche geschmacklich kontaminieren.

4. Warum ist das so extrem wahrnehmbar?

Der menschliche Geschmackssinn ist evolutionär darauf trainiert, ranzige Fette sofort zu erkennen, da diese theoretisch gesundheitsschädlich sein könnten (sie können freie Radikale bilden). Deshalb empfinden wir schon eine winzige Menge oxidierten Sesams als extrem störend, selbst wenn das Brot an sich frisch ist.

Wie vermeidet man das?

Um das zu verhindern, sollte Sesam (oder damit bestreute Produkte) so gelagert werden:

  • Kühl: Wärme beschleunigt die Oxidation massiv.
  • Dunkel: Licht wirkt als Katalysator für die Zersetzung der Fette.
  • Luftdicht: Ohne Sauerstoff kein Ranzigwerden.

Zusammenfassend: Die sensiblen Fette im Sesam werden durch Licht, Luft und Wärme chemisch verändert (ranzig). Die dabei entstehenden extrem bitteren Stoffe ziehen wie ein Gas in das restliche Gebäck ein und „vergiften“ so das gesamte Geschmackserlebnis.