Warum klagen viele Nutzer über vermehrtes Schwitzen durch Nackenstützen?

Melden

Das vermehrte Schwitzen bei der Nutzung von Nackenstützkissen (oft aus Memory-Schaum bzw. Viscoschaum) ist ein bekanntes Problem. Es liegt meist an einer Kombination aus Materialeigenschaften, physikalischer Passform und mangelnder Luftzirkulation.

Hier sind die Hauptgründe im Detail:

1. Das Material: Memory-Schaum (Viscoschaum)

Die meisten modernen Nackenstützkissen bestehen aus viscoelastischem Schaumstoff. Dieses Material hat spezifische Eigenschaften, die das Schwitzen begünstigen:

  • Wärmespeicherung: Memory-Schaum reagiert auf Körperwärme, um weich zu werden und sich anzupassen. Das bedeutet jedoch auch, dass er Wärme aktiv aufnimmt und speichert, anstatt sie abzuleiten.
  • Geringe Atmungsaktivität: Im Gegensatz zu Federkissen oder Kaltschaum ist Viscoschaum oft sehr feinzellig und dicht. Die Luft kann im Inneren des Materials kaum zirkulieren („Wärmestau“).

2. Die anatomische Passform (Einsinken)

Nackenstützkissen sind darauf ausgelegt, den Kopf und Nacken exakt zu umschließen.

  • Größere Kontaktfläche: Da der Kopf tiefer in das Material einsinkt und der Nacken lückenlos gestützt wird, liegt mehr Haut direkt am Kissen an als bei einem herkömmlichen, flacheren Kissen.
  • Mangelnde Luftzufuhr: Durch die eng anliegende Form kann keine Luft zwischen Haut und Kissen zirkulieren. Die Feuchtigkeit (Schweiß), die der Körper natürlicherweise abgibt, kann nicht verdunsten und staut sich an der Oberfläche.

3. Synthetische Bezüge

Häufig werden Nackenstützkissen mit Bezügen aus Polyester oder Mischgewebe geliefert, da diese dehnbar sein müssen, um die ergonomische Form zu unterstützen.

  • Synthetikfasern nehmen Feuchtigkeit jedoch schlecht auf. Während Baumwolle Schweiß aufsaugt, bleibt er bei Synthetik auf der Hautoberfläche liegen, was das „nasse“ Gefühl verstärkt.

4. Fehlende Belüftungskanäle

Günstigere Modelle bestehen oft aus einem soliden Block Schaumstoff. Hochwertigere Kissen haben oft eingearbeitete Lochbohrungen oder Belüftungskanäle, um die Luftzirkulation zu verbessern. Fehlen diese, steht die Luft im Kissenkern.


Was kann man dagegen tun?

Wenn Sie unter dem Schwitzen leiden, aber die Stützfunktion nicht missen wollen, helfen folgende Tipps:

  1. Materialwechsel: Wählen Sie Kissen aus Naturlatex oder Gelschaum. Naturlatex ist von Natur aus offenporiger und atmungsaktiver. Gelschaum ist weniger temperaturabhängig als Viscoschaum.
  2. Belüftung: Achten Sie auf Kissen mit integrierten Belüftungskanälen (viele Löcher im Schaumstoff).
  3. Bezugsmaterial: Nutzen Sie Bezüge aus Naturmaterialien wie Tencel (Lyocell), Bambusviskose oder speziellen „Cooling“-Stoffen, die Feuchtigkeit besser ableiten.
  4. Gel-Auflagen: Es gibt Kissen mit einer speziellen blauen Gel-Schicht auf der Oberseite, die die Wärme beim Einschlafen aktiv abführt (allerdings hält dieser Effekt oft nur für die erste Phase des Schlafs an).

Zusammenfassend: Das Schwitzen ist meist der Preis für die hohe Druckentlastung und die exakte Anpassung des Materials, das den Körper leider thermisch "isoliert".

0