Warum kann zu viel Lederpflege die Poren verstopfen und die Atmungsaktivität verhindern?
Leder ist ein Naturprodukt – im Grunde handelt es sich um die gegerbte Haut eines Tieres. Um zu verstehen, warum zu viel Pflege schadet, muss man sich die Struktur des Leders wie ein komplexes Netzwerk aus mikroskopisch kleinen Fasern und Zwischenräumen vorstellen.
Hier sind die Gründe, warum Überpflege die Poren verstopft und die Atmungsaktivität einschränkt:
1. Die Kapillarstruktur des Leders
Leder besitzt eine natürliche Faserstruktur mit unzähligen kleinen Hohlräumen und Poren. Diese erlauben es dem Material, Feuchtigkeit (z. B. Wasserdampf durch Schweiß) aufzunehmen und nach außen abzugeben. Das ist das, was wir als „Atmungsaktivität“ bezeichnen.
- Der Effekt von zu viel Pflege: Wenn man zu viel Fett, Wachs oder Öl aufträgt, füllen diese Substanzen nicht nur die Fasern auf, um sie geschmeidig zu halten, sondern sie füllen die kompletten Hohlräume (Poren) aus. Das Leder wird „gesättigt“. Sobald diese Kanäle mit Fett oder Wachs verstopft sind, kann kein Wasserdampf mehr hindurchgelangen.
2. Schichtenbildung an der Oberfläche
Viele Pflegemittel (insbesondere Schuhcremes oder Wachse) enthalten feste Bestandteile, die beim Trocknen eine Schutzschicht bilden.
- Wachse: Diese sind gewollt, um Wasser von außen abzuweisen. Trägt man jedoch Schicht über Schicht auf, ohne die alten Reste zu entfernen, entsteht eine dicke, lackähnliche Barriere.
- Versiegelung: Diese Schicht wirkt wie eine Plastiktüte. Feuchtigkeit, die im Inneren (z. B. im Schuh oder in der Lederjacke) entsteht, bleibt dort gefangen. Das führt zu einem feuchten Klima, das wiederum Schimmelbildung oder Gerüche begünstigen kann.
3. „Überfettung“ und mangelnder Gasaustausch
Lederfasern brauchen ein gewisses Maß an Feuchtigkeit und Fett, um elastisch zu bleiben. Wenn das Leder jedoch „überfettet“ ist:
- Quellen die Fasern auf.
- Das Gefüge verliert an Stabilität (das Leder wird labberig).
- Die physikalische Fähigkeit, Luftmoleküle passieren zu lassen, geht verloren, weil die Viskosität des überschüssigen Öls den Durchgang blockiert.
4. Anziehen von Schmutz
Zu viel Pflegemittel bleibt oft als klebriger Film auf der Oberfläche zurück. Dieser Film wirkt wie ein Magnet für Staub und feinen Schmutz.
- Dieser Schmutz vermischt sich mit dem überschüssigen Fett zu einer Art „Schleifpaste“.
- Diese Paste setzt sich tief in die Poren und Falten des Leders und dichtet es zusätzlich mechanisch ab.
Die Folgen der fehlenden Atmungsaktivität:
- Hitzestau: In Schuhen oder Kleidung wird es unangenehm warm und feucht.
- Materialschäden: Wenn Feuchtigkeit im Inneren des Leders gefangen ist und nicht entweichen kann, können die Fasern von innen heraus verrotten oder das Leder kann hart werden, sobald es irgendwann doch trocknet (da das Salz aus dem Schweiß zurückbleibt).
- Gore-Tex-Problematik: Bei modernen Funktionsschuhen (Leder mit Membran) ist Überpflege besonders kritisch. Wenn die Lederporen verstopft sind, kann die darunterliegende Membran ihre Arbeit nicht mehr verrichten – der Schuh wird von innen nass.
Fazit: Die richtige Dosierung
Gute Lederpflege folgt dem Prinzip „Weniger ist mehr“.
- Tragen Sie Pflegemittel immer nur dünn auf.
- Lassen Sie dem Leder Zeit, das Mittel aufzunehmen.
- Polieren Sie Überschüsse gründlich ab.
- Reinigen Sie das Leder gelegentlich gründlich, um alte Wachsschichten zu entfernen, bevor Sie neue auftragen.