Warum kann ein Siphon austrocknen und welche Folgen hat dies für die Raumluft in Gebäuden?
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Ein Siphon (auch Geruchsverschluss genannt) ist ein wesentliches Bauteil jeder Abwasserleitung in Gebäuden. Seine Hauptaufgabe ist es, durch eine stehende Wassersäule – das sogenannte Sperrwasser – eine Barriere zwischen der Kanalisation und der Raumluft zu bilden.
Hier sind die Gründe für das Austrocknen und die daraus resultierenden Folgen:
1. Warum trocknet ein Siphon aus?
Es gibt mehrere Ursachen dafür, dass das Sperrwasser verschwindet:
- Verdunstung bei Nichtbenutzung: Dies ist der häufigste Grund. Wenn ein Waschbecken, eine Dusche oder eine Toilette über längere Zeit (Wochen oder Monate) nicht benutzt wird (z. B. in Gästezimmern oder während des Urlaubs), verdunstet das Wasser im Siphon allmählich an die Umgebungsluft.
- Saugheberwirkung (Unterdruck im Rohrsystem): Wenn die Abwasserleitungen nicht korrekt belüftet sind, kann beim Abfließen großer Wassermengen an einer anderen Stelle im Haus ein Unterdruck entstehen. Dieser "zieht" das Wasser aus benachbarten Siphons heraus (ähnlich wie ein Strohhalm).
- Kapillarwirkung: Wenn Haare, Textilfasern oder Flusen im Siphon hängen und über den Bogen des Siphons in das Abflussrohr ragen, können sie das Wasser wie ein Docht nach und nach aus dem Siphon "saugen".
- Fußbodenheizung: Bei Bodenabläufen (z. B. in begehbaren Duschen) beschleunigt eine darunterliegende Fußbodenheizung den Verdunstungsprozess erheblich.
- Undichtigkeit: Ein mechanischer Defekt oder eine lockere Verschraubung kann dazu führen, dass das Wasser unbemerkt abfließt.
2. Folgen für die Raumluft und das Gebäude
Sobald das Sperrwasser fehlt, besteht eine direkte Verbindung zwischen dem Abwassersystem und dem Wohnraum. Das hat folgende Konsequenzen:
- Geruchsbelästigung: Das offensichtlichste Anzeichen sind unangenehme, faule Gerüche (Kanalgase), die aus dem Abfluss in den Raum strömen. Diese riechen oft nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff).
- Gesundheitsrisiken: Kanalgase bestehen aus einer Mischung verschiedener Stoffe, darunter Methan, Kohlendioxid, Ammoniak und Schwefelwasserstoff. In hohen Konzentrationen können diese Gase Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel verursachen. Zudem können Keime und Bakterien aus der Kanalisation über die Luft in den Wohnraum gelangen (Aerosolbildung).
- Eindringen von Schädlingen: Ein trockener Siphon ist eine offene Tür für Insekten. Insbesondere Abwasserfliegen (Schmetterlingsmücken), Schaben oder Silberfische nutzen die trockenen Rohre, um aus der Kanalisation in Gebäude zu gelangen.
- Feuchtigkeitsprobleme: Die ausströmende Luft aus der Kanalisation ist oft sehr feucht. In schlecht belüfteten Räumen kann dies theoretisch die Schimmelbildung an kalten Wänden begünstigen.
3. Was kann man dagegen tun?
- Regelmäßig Wasser laufen lassen: In selten genutzten Räumen mindestens alle zwei Wochen kurz den Wasserhahn öffnen oder die Spülung betätigen.
- Siphon reinigen: Haare und Flusen entfernen, um die Kapillarwirkung zu stoppen.
- Verdunstungsschutz bei Abwesenheit: Wenn man lange weg ist, kann man einen Schluck Speiseöl oder spezielles Siphon-Öl in den Abfluss geben. Das Öl schwimmt oben und verhindert die Verdunstung des Wassers. Alternativ hilft es, den Abfluss mit einem Stöpsel fest zu verschließen.
- Belüftungsventile prüfen: Wenn der Siphon ständig "leergesaugt" wird (gluckernde Geräusche), sollte ein Klempner die Rohrbelüftung prüfen oder ein Belüftungsventil am Siphon nachrüsten.