Warum kann die Verwendung von Gleitgel bei manchen Personen ein brennendes Gefühl verursachen?
Ein brennendes Gefühl nach der Verwendung von Gleitgel ist ein relativ häufiges Problem. Es kann verschiedene Ursachen haben, die von der chemischen Zusammensetzung des Produkts bis hin zu individuellen körperlichen Voraussetzungen reichen.
Hier sind die Hauptgründe, warum Gleitgel brennen kann:
1. Zu hohe Osmolalität (der häufigste Grund)
Die Osmolalität beschreibt die Konzentration von gelösten Stoffen (wie Salzen oder Zucker) im Gleitgel im Vergleich zum Gewebe.
- Der Effekt: Wenn ein Gleitgel eine viel höhere Konzentration hat als die Zellen der Schleimhaut, entzieht es den Zellen Wasser, um das Gleichgewicht auszugleichen.
- Die Folge: Die Zellen schrumpfen und werden gereizt, was als Brennen empfunden wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Gleitgele mit einer Osmolalität unter 1200 mOsm/kg, viele handelsübliche Produkte liegen jedoch weit darüber.
2. Inhaltsstoffe und Zusatzstoffe
Viele Gleitgele enthalten Stoffe, die die empfindlichen Schleimhäute reizen können:
- Glycerin: Es wird oft als Feuchthaltemittel verwendet. Da es ein Zuckeralkohol ist, kann es bei manchen Menschen die Schleimhäute austrocknen oder das Wachstum von Hefepilzen fördern, was zu Irritationen führt.
- Konservierungsstoffe: Stoffe wie Parabene oder Phenoxyethanol können allergische Reaktionen oder Kontaktallergien auslösen.
- Duft- und Aromastoffe: Diese haben in der Intimpflege eigentlich nichts zu suchen, da sie oft Reizstoffe enthalten.
- Wärmende oder prickelnde Effekte: Gleitgele mit "Wärmeeffekt" enthalten oft Stoffe wie Capsaicin (aus Chili) oder Menthol. Diese können auf empfindlicher Haut sehr schnell ein schmerzhaftes Brennen statt wohliger Wärme auslösen.
3. Der pH-Wert
Die Vagina hat ein saures Milieu (pH-Wert etwa 3,8 bis 4,5), um vor Infektionen zu schützen.
- Wenn ein Gleitgel einen zu hohen (basischen) pH-Wert hat, bringt es das natürliche Gleichgewicht durcheinander.
- Dies kann nicht nur ein brennendes Gefühl verursachen, sondern auch die Entstehung von Infektionen (wie Pilzinfektionen oder bakterieller Vaginose) begünstigen, die wiederum selbst Brennen verursachen.
4. Mikroverletzungen oder Infektionen
Manchmal ist nicht das Gleitgel allein schuld, sondern der Zustand der Schleimhaut:
- Trockenheit: Wenn die Schleimhäute bereits sehr trocken oder gereizt sind, können sie auf fast jedes Produkt empfindlich reagieren.
- Mikrorisse: Durch Reibung (beim Sex) können winzige, unsichtbare Risse entstehen. Wenn das Gleitgel in diese Risse gelangt, brennt es.
- Unentdeckte Infektionen: Wenn bereits eine leichte Pilzinfektion oder eine bakterielle Entzündung vorliegt, reagiert die Haut extrem empfindlich auf Inhaltsstoffe des Gleitgels.
5. Allergien
Einige Menschen reagieren allergisch auf bestimmte Bestandteile, wie zum Beispiel auf Propylenglykol (ein häufiger Trägerstoff in wasserbasierten Gelen) oder auf Latex-Zusätze (falls das Gel nicht explizit latexkonform ist).
Was kann man tun?
Wenn Sie unter Brennen leiden, probieren Sie folgende Schritte:
- Glycerin-freie Produkte: Suchen Sie nach Gleitgelen, die explizit als "glycerinfrei" gekennzeichnet sind.
- Silikonbasierte Gleitgele: Diese enthalten meist keine Wasserphase und keine Konservierungsstoffe, weshalb sie seltener brennen. (Achtung: Nicht mit Sexspielzeugen aus Silikon verwenden!)
- Bio-Gleitgele: Diese verzichten oft auf aggressive Konservierungsstoffe und synthetische Duftstoffe.
- PH-optimierte Gele: Achten Sie darauf, dass das Produkt auf den vaginalen pH-Wert abgestimmt ist.
- Vorsicht mit "Effekt-Gelen": Verzichten Sie auf alles, was wärmt, kühlt oder nach Erdbeere riecht, wenn Sie empfindlich reagieren.
Hinweis: Wenn das Brennen anhält, auch nachdem Sie das Gleitgel abgewaschen haben, oder wenn Ausfluss und Juckreiz hinzukommen, sollten Sie eine frauenärztliche Praxis aufsuchen, um eine Infektion auszuschließen.