Warum ist die Saugkapazität von einfachen Mullbinden bei stark blutenden Wunden oft zu gering?

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Die geringe Saugkapazität von einfachen Mullbinden bei stark blutenden Wunden lässt sich durch ihren Aufbau, das Material und ihre ursprüngliche Zweckbestimmung erklären.

Hier sind die Hauptgründe, warum sie bei massiven Blutungen schnell an ihre Grenzen stoßen:

1. Geringe Materialdichte und lockere Webart

Mullbinden bestehen aus einem sehr locker gewebten Baumwoll- oder Viskosegewebe. Zwischen den einzelnen Fäden befinden sich große Lücken (Maschen).

  • Die Folge: Es ist schlichtweg zu wenig Material vorhanden, um größere Mengen Flüssigkeit aufzunehmen. Während ein Schwamm oder eine dicke Kompresse Volumen zum Speichern hat, bietet die dünne Mullbinde kaum Platz für die Einlagerung von Blut.

2. Fehlender Saugkern

Im Gegensatz zu modernen Wundauflagen oder speziellen Saugkompressen haben Mullbinden keinen Saugkern (z. B. aus Zellstoff oder Superabsorbern).

  • Die Folge: Die Flüssigkeit wird nicht im Inneren gebunden. Sobald die dünnen Fäden mit Blut gesättigt sind, wird jede weitere Flüssigkeit direkt durch das Gewebe nach außen geleitet („Durchschlagen“).

3. Kapillareffekt ohne Rückhaltevermögen

Mull nutzt zwar den Kapillareffekt, um Flüssigkeit von der Wunde wegzuleiten, kann diese aber nicht festhalten.

  • Die Folge: Bei starkem Druck (der bei einer Blutung oft nötig ist) wird das Blut wie aus einem nassen Lappen einfach wieder herausgepresst.

4. Schnelle Sättigung (Docht-Effekt)

Baumwollfasern saugen sich zwar schnell voll, erreichen aber extrem schnell ihr Maximum.

  • Die Folge: Sobald die Binde nass ist, verliert sie ihre Funktion als Barriere. Eine nasse Mullbinde ist zudem ein schlechter Keimschutz, da Bakterien durch die Feuchtigkeit (Schmierinfektion) leicht von außen nach innen wandern können.

5. Zweckbestimmung: Fixierung vs. Aufsaugen

Die klassische Mullbinde ist historisch gesehen primär ein Fixiermittel, kein Saugmittel. Sie dient dazu, eine saugfähige Wundauflage (z. B. eine Kompresse) an Ort und Stelle zu halten oder Gelenke leicht zu stützen.


Was macht man stattdessen bei starken Blutungen?

In der Ersten Hilfe oder im Rettungsdienst nutzt man für stark blutende Wunden Materialien, die auf Volumen und Druck ausgelegt sind:

  • Saugkompressen: Sie haben eine dicke Schicht aus Zellstoff, die ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Blut aufnehmen kann.
  • Verbandpäckchen: Hier ist die Saugkompresse bereits fest mit der Binde vernäht, was eine schnellere Versorgung ermöglicht.
  • Druckverband: Hier wird ein unaufgeklapptes Verbandpäckchen oder ein harter Gegenstand als Druckkörper genutzt, um die Blutung mechanisch zu stoppen, anstatt nur das Blut aufzusaugen.
  • Hämostyptika: Spezielle, mit Wirkstoffen (z. B. Chitosan) beschichtete Gaze, die die Blutgerinnung chemisch beschleunigt.

Zusammenfassend: Eine Mullbinde ist zu dünn und zu grobmaschig, um als effektiver „Speicher“ für Blut zu dienen. Bei starken Blutungen wirkt sie eher wie ein Sieb als wie ein Schwamm.

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