Warum hat Frischmilch eine deutlich kürzere Haltbarkeit als H-Milch?

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Der Hauptgrund für den Unterschied in der Haltbarkeit liegt im Erhitzungsverfahren und der daraus resultierenden Keimfreiheit. Hier sind die Details:

1. Das Erhitzungsverfahren

  • Frischmilch (pasteurisiert): Sie wird für etwa 15 bis 30 Sekunden auf 72 bis 75 °C erhitzt. Dieses Verfahren nennt man Pasteurisation. Dabei werden krankheitserregende Keime abgetötet, aber viele harmlose Milchsäurebakterien und hitzeresistente Sporen überleben. Diese sorgen dafür, dass die Milch nach einiger Zeit sauer wird oder verdirbt.
  • H-Milch (ultrahochverhitzt): „H“ steht für haltbar. Sie wird für wenige Sekunden auf 135 bis 150 °C erhitzt (Ultrahocherhitzung). Durch diese extrem hohe Temperatur werden alle vermehrungsfähigen Keime und auch die Bakteriensporen vollständig abgetötet. Die Milch ist danach praktisch steril.

2. Die Verpackung

  • Frischmilch: Sie wird unter sauberen Bedingungen abgefüllt, aber die Verpackung muss nicht absolut keimfrei (aseptisch) sein, da die Milch ohnehin noch lebende Mikroorganismen enthält.
  • H-Milch: Sie wird aseptisch (unter völlig sterilen Bedingungen) in spezielle Verbundkartons abgefüllt, die kein Licht und keinen Sauerstoff durchlassen. Da keine Keime in der Packung sind und von außen keine eindringen können, kann die Milch nicht verderben, solange sie verschlossen bleibt.

3. Die Lagerung

  • Frischmilch: Da sie noch aktive Mikroorganismen enthält, müssen diese durch Kälte (Kühlschrank) gebremst werden. Ohne Kühlung würde sie innerhalb eines Tages sauer werden.
  • H-Milch: Da sie keimfrei ist, kann sie ungeöffnet mehrere Monate bei Zimmertemperatur gelagert werden.

Ein wichtiger Hinweis zur "ESL-Milch"

Im Supermarkt findet man heute oft Milch mit der Aufschrift „länger haltbar“. Das ist die sogenannte ESL-Milch (Extended Shelf Life).

  • Sie steht zwischen Frischmilch und H-Milch.
  • Sie wird entweder etwas höher erhitzt (ca. 127 °C) oder durch Mikrofiltration von Keimen befreit.
  • Sie hält sich gekühlt etwa 21 Tage, schmeckt aber fast wie Frischmilch.

Was passiert nach dem Öffnen?

Sobald die Packung geöffnet wird, gelangen Keime aus der Luft in die Milch. Ab diesem Moment ist H-Milch genauso schnell verderblich wie Frischmilch und muss in den Kühlschrank. Der einzige Unterschied: H-Milch wird nicht sauer (wie die Frischmilch durch Milchsäurebakterien), sondern sie wird bitter oder fängt an zu schimmeln, da die natürlichen Säuerungserreger fehlen.