Warum haben viele Pflaster ein Ablaufdatum und was passiert mit dem Klebstoff nach Überschreitung dieses Datums?
Es mag im ersten Moment seltsam erscheinen, dass ein einfaches Stück Klebeband mit Wundauflage ein Verfallsdatum hat. Doch hinter dem Ablaufdatum von Pflastern stecken vor allem zwei Gründe: Sterilität und die chemische Beschaffenheit des Klebstoffs.
Hier ist die detaillierte Erklärung:
1. Die Sterilität (Der wichtigste Grund)
Viele Pflaster werden als sterile Medizinprodukte verkauft. Das bedeutet, dass sie bei der Herstellung keimfrei verpackt wurden.
- Die Verpackung altert: Das Papier oder die Folie, in der das Pflaster einzeln eingeschweißt ist, wird mit der Zeit porös. Winzige Risse können entstehen (oft für das bloße Auge unsichtbar).
- Keimbesiedlung: Sobald die Verpackung nicht mehr zu 100 % dicht ist, können Bakterien und Pilze eindringen. Wenn man dieses Pflaster auf eine offene Wunde klebt, steigt das Infektionsrisiko deutlich an. Das Verfallsdatum garantiert, dass die Barriere bis zu diesem Zeitpunkt hält.
2. Was passiert mit dem Klebstoff?
Der Klebstoff auf Pflastern besteht meist aus komplexen Polymeren (Kunststoffen) und Harzen. Diese unterliegen einem natürlichen Alterungsprozess, der durch Licht, Wärme und Sauerstoff beschleunigt wird. Nach Ablauf des Datums passiert meist eines von zwei Szenarien:
- Szenario A: Er trocknet aus (Verlust der Klebekraft) Die enthaltenen Weichmacher verflüchtigen sich. Der Kleber wird hart, spröde und verliert seine Haftung. Das Pflaster fällt einfach ab oder klebt gar nicht erst auf der Haut.
- Szenario B: Er zersetzt sich (Das „Schmieren“) Die chemischen Ketten im Kleber brechen auf. Der Klebstoff wird instabil, fast flüssig und extrem klebrig-zäh. Wenn man das Pflaster abzieht, bleibt ein klebriger, oft gelblicher Film auf der Haut zurück, der sich nur schwer mit Seife entfernen lässt.
3. Weitere Veränderungen nach dem Ablaufdatum
- Hautirritationen: Wenn sich die chemische Struktur des Klebers verändert, können Abbauprodukte entstehen, die die Haut reizen. Menschen, die ohnehin empfindliche Haut haben, reagieren dann plötzlich mit Rötungen oder Juckreiz auf ein altes Pflaster.
- Saugfähigkeit: Auch die Wundauflage (das Vlies in der Mitte) kann sich verändern. Sie kann ihre Saugfähigkeit verlieren oder Fasern abgeben, die mit der Wunde verkleben.
Kann man abgelaufene Pflaster noch benutzen?
Das kommt auf den Einsatzzweck an:
- Bei kleinen Alltagskratzern: Wenn die Verpackung noch intakt aussieht und das Pflaster gut klebt, ist es meist unbedenklich. Es ist dann vielleicht nicht mehr 100 % steril, aber für eine Bagatellverletzung reicht es oft noch aus.
- Bei tieferen oder chirurgischen Wunden: Hier sollte man niemals abgelaufene Pflaster verwenden. Das Risiko einer Infektion ist zu hoch.
- Wenn der Kleber schmiert: Entsorgen Sie das Pflaster. Die Reste von der Haut zu schrubben, reizt die Wunde nur unnötig.
Tipp: Lagern Sie Pflaster kühl und trocken (nicht im feuchten Badezimmer), dann halten sie oft genau bis zum aufgedruckten Datum oder kurz darüber hinaus. Im heißen Auto hingegen kann der Klebstoff schon lange vor dem Ablaufdatum verderben.