Warum gelten Zigarillos fälschlicherweise oft als weniger gesundheitsschädlich als Zigaretten?
Dass Zigarillos oft fälschlicherweise als weniger schädlich als Zigaretten wahrgenommen werden, liegt an einer Kombination aus optischen Reizen, kulturellen Missverständnissen und einer geschickten Vermarktung.
Hier sind die Hauptgründe für diesen Irrglauben:
1. Die „Natürlichkeits-Illusion“ (Optik)
Zigarillos sind in der Regel braun, da sie mit einem Tabakblatt oder einem Deckblatt aus tabakhaltigem Papier (homogenisierter Tabak) umhüllt sind. Im Gegensatz zu den weißen Papierhüllen von Zigaretten wirkt das braune Äußere auf viele Menschen „natürlicher“ oder „unbehandelter“. Diese Assoziation mit einem Naturprodukt führt zu der Fehlannahme, es seien weniger chemische Zusatzstoffe enthalten.
2. Das Erbe der Zigarre (Image)
Zigarillos werden oft als „kleine Schwestern“ der Zigarre wahrgenommen. Zigarren gelten traditionell als Genussmittel für besondere Anlässe, während Zigaretten als reines Suchtmittel für den Alltag abgestempelt sind. Dieses Image des „edlen Genießens“ überträgt sich auf den Zigarillo und verharmlost die gesundheitlichen Risiken.
3. Das Missverständnis beim Inhalieren
Ein weit verbreiteter Glaube ist, dass man den Rauch von Zigarillos (genau wie bei Zigarren) nur „pafft“ und nicht in die Lunge einatmet.
- Die Realität: Viele Zigarilloraucher, insbesondere ehemalige Zigarettenraucher, inhalieren den Rauch dennoch.
- Das Risiko: Auch beim Paffen werden Schadstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen. Das Risiko für Krebserkrankungen im Mund-, Rachen- und Kehlkopfbereich ist bei Zigarillos sogar oft höher als bei Zigaretten.
4. Fehlende Filter
Viele Zigarillos werden ohne Filter geraucht. Manche Konsumenten glauben paradoxerweise, dass dies „ehrlicher“ oder weniger chemisch sei. In Wahrheit gelangen dadurch noch mehr ungefilterte Schadstoffe, Teer und Nikotin direkt in den Körper.
5. Nikotingehalt und Intensität
Zigarillos enthalten oft mehr Tabak und eine höhere Nikotinkonzentration als eine Standardzigarette. Da der Rauch von Zigarillos meist alkalischer ist als der von Zigaretten, wird das Nikotin bereits über die Mundschleimhaut extrem effizient aufgenommen. Das macht sie keinesfalls harmloser, sondern steigert eher das Abhängigkeitspotenzial.
6. Aromatisierung
Viele Zigarillos sind mit Aromen (Vanille, Kirsche, Schokolade) versetzt. Diese überdecken den kratzigen Geschmack des Tabaks und machen den Rauch milder. Dies verleitet dazu, tiefer zu inhalieren oder die Schädlichkeit des Rauches zu unterschätzen, da er „angenehm“ schmeckt.
Warum sie tatsächlich oft gefährlicher sind:
- Höhere Schadstoffkonzentration: Zigarillos haben oft einen höheren Gehalt an Teer, Kohlenmonoxid und krebserregenden Nitrosaminen.
- Längere Brenndauer: Ein Zigarillo brennt oft länger als eine Zigarette, was die Expositionszeit gegenüber dem Rauch verlängert.
- Passivrauch: Der Nebenstromrauch von Zigarillos ist aufgrund der Tabakzusammensetzung oft noch toxischer als der von Zigaretten.
Fazit: Die Annahme, Zigarillos seien eine „gesündere Alternative“, ist medizinisch nicht haltbar. Sie kombinieren die Risiken der Zigarette (Lungenkrebs durch Inhalation) mit den spezifischen Risiken der Zigarre (erhöhtes Risiko für Mundhöhlenkrebs).