Warum führt die häufige Nutzung von Händedesinfektionsgel oft zu trockener und rissiger Haut?
Die häufige Nutzung von Händedesinfektionsgel führt vor allem deshalb zu trockener und rissiger Haut, weil der Hauptbestandtteil – in der Regel hochprozentiger Alkohol (Ethanol oder Isopropanol) – massiv in die natürliche Schutzbarriere der Haut eingreift.
Hier sind die genauen biologischen und chemischen Gründe dafür:
1. Auflösung der Lipide (Fette)
Unsere Haut ist von einem natürlichen Säureschutzmantel und einer Schicht aus Lipiden (Fetten) überzogen. Diese Fette halten die Haut geschmeidig und fungieren wie ein „Mörtel“ zwischen den Hornzellen der obersten Hautschicht.
- Der Effekt: Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel. Er löst nicht nur die Zellwände von Bakterien auf, sondern auch diese körpereigenen Fette. Bei häufiger Anwendung wird die Fettschicht regelrecht weggewaschen.
2. Transepidermaler Wasserverlust (TEWL)
Wenn die Fettschicht (die Barriere) zerstört ist, verliert die Haut ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern.
- Der Effekt: Wasser aus den tieferen Hautschichten verdunstet ungehindert nach außen. Diesen Vorgang nennt man in der Dermatologie transepidermalen Wasserverlust. Die Haut trocknet von innen heraus aus.
3. Entzug von Feuchthaltefaktoren
Alkohol entzieht der Haut nicht nur Fett, sondern auch wasserbindende Substanzen. Ohne diese Stoffe verliert die Haut ihre Elastizität. Sie wird spröde, spannt und verliert ihre Flexibilität, was schließlich zu kleinen Rissen (Fissuren) führt.
4. Reizung und Entzündungen
Wenn die Haut erst einmal rissig ist, können Inhaltsstoffe des Desinfektionsmittels (oder andere äußere Reize wie Kälte oder Seife) tiefer in die Haut eindringen. Dies kann zu Mikro-Entzündungen führen, die das Austrocknen und die Rissbildung weiter beschleunigen (ein Teufelskreis).
Was kann man dagegen tun?
Obwohl Desinfektionsmittel die Haut austrocknen, gelten sie oft als schonender als häufiges Händewaschen mit Seife, da Seife zusätzlich den pH-Wert der Haut stark verändert. Um die Haut zu schützen, sollte man auf Folgendes achten:
- Rückfettende Inhaltsstoffe: Verwenden Sie Desinfektionsmittel, die Pflegezusätze wie Glycerin, Aloe Vera oder Panthenol enthalten. Diese legen sich wie ein Schutzfilm auf die Haut und ersetzen einen Teil der verlorenen Feuchtigkeit.
- Regelmäßiges Eincremen: Nach der Desinfektion (sobald der Alkohol verflogen ist) oder spätestens nach der Arbeit sollten die Hände mit einer reichhaltigen Handcreme (Wollwachs, Urea oder Ceramide) gepflegt werden.
- Nicht auf nasse Hände auftragen: Desinfektionsmittel sollte immer auf die trockene Haut aufgetragen werden. Wasser auf der Haut verdünnt das Mittel und kann die austrocknende Wirkung paradoxerweise verstärken.
- Handschuhe tragen: Bei Hausarbeit oder Kontakt mit Reinigungsmitteln Handschuhe tragen, um die bereits strapazierte Haut nicht noch weiter zu belasten.