Warum erhöht die Nutzung von Komplexmitteln die Gefahr einer versehentlichen Überdosierung von Paracetamol?

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Die Gefahr einer versehentlichen Überdosierung von Paracetamol durch Komplexmittel (oft als „Erkältungs-“ oder „Grippemittel“ vermarktet) liegt vor allem in der mangelnden Transparenz und der Kombination verschiedener Präparate.

Hier sind die Hauptgründe im Detail:

1. Der „versteckte“ Wirkstoff

In Komplexmitteln (wie z. B. Wick MediNait, Grippostad C oder verschiedenen „Heißgetränken“) ist Paracetamol oft nur einer von vielen Wirkstoffen (neben Mitteln gegen Husten, Schnupfen oder Vitamin C). Viele Patienten nehmen diese Mittel ein, um ihre Erkältungssymptome zu lindern, ohne zu realisieren, dass sie damit bereits eine volle Dosis Schmerzmittel konsumieren.

2. Doppelte Medikation (Double-Dosing)

Dies ist die häufigste Ursache für Überdosierungen:

  • Ein Patient nimmt ein Komplexmittel gegen seine Erkältung ein.
  • Da er zusätzlich starke Kopf- oder Gliederschmerzen hat, nimmt er zusätzlich eine reine Paracetamol-Tablette ein, weil ihm nicht bewusst ist, dass im Erkältungsmittel bereits Paracetamol enthalten ist.
  • Dadurch wird die empfohlene Einzeldosis (meist 500 mg bis 1000 mg) oder die Tageshöchstdosis schnell überschritten.

3. Geringe therapeutische Breite

Paracetamol hat eine vergleichsweise geringe therapeutische Breite. Das bedeutet, dass der Abstand zwischen der wirksamen Dosis und einer gesundheitsschädlichen (toxischen) Dosis relativ klein ist.

  • Die maximale Tagesdosis für gesunde Erwachsene liegt bei 4 Gramm (8 Tabletten à 500 mg).
  • Bereits eine geringfügige, dauerhafte Überschreitung oder eine einmalige Einnahme von etwa 7 bis 10 Gramm kann zu schweren, teils lebensgefährlichen Leberschäden führen.

4. Unterschiedliche Markennamen – gleicher Inhalt

Patienten kombinieren manchmal verschiedene Markenprodukte (z. B. ein Heißgetränk von Marke A und eine Kapsel von Marke B). Wenn beide Produkte Paracetamol enthalten, addieren sich die Mengen unbewusst auf.

5. Fehlende Warnsignale des Körpers

Da Komplexmittel oft auch aufputschende Komponenten (wie Koffein oder Ephedrin-Abkömmlinge) enthalten können, fühlen sich Patienten kurzzeitig fitter und unterschätzen die chemische Belastung für ihren Körper. Sie nehmen „großzügiger“ weitere Dosen ein, wenn die Wirkung nachlässt.


Wie man das Risiko minimiert:

  • Packungsbeilage lesen: Prüfen Sie bei jedem Medikament die Liste der Wirkstoffe.
  • Wirkstoffnamen statt Markennamen beachten: Achten Sie auf das Wort „Paracetamol“ oder (international) „Acetaminophen“.
  • Keine Kombinationen: Nehmen Sie keine reinen Schmerzmittel ein, wenn Sie bereits ein Kombinationspräparat verwenden, es sei denn, ein Arzt hat dies ausdrücklich angeordnet.
  • Tageshöchstdosis einhalten: Notieren Sie sich im Zweifel, wann Sie welche Menge eingenommen haben.

Wichtiger Hinweis: Eine Überdosierung von Paracetamol ist tückisch, da die ersten Symptome (Übelkeit, Erbrechen) oft unspezifisch sind und erst nach 24 bis 48 Stunden schwere Leberschäden auftreten können, wenn es für einige Gegenmaßnahmen bereits zu spät sein kann. Im Verdachtsfall sollte immer sofort ärztlicher Rat eingeholt werden.

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