Warum dürfen mehrere Kabeltrommeln niemals hintereinander gesteckt (kaskadiert) werden?
Das Hintereinanderschalten (Kaskadieren) von Kabeltrommeln oder Mehrfachsteckdosen ist gemäß DIN VDE 0100-420 und den Unfallverhütungsvorschriften (DGUV) streng untersagt. Dies hat mehrere schwerwiegende technische und sicherheitsrelevante Gründe:
1. Brandgefahr durch Wärmestau (Überhitzung)
Jeder elektrische Leiter hat einen Eigenwiderstand. Fließt Strom durch das Kabel, entsteht Wärme.
- Der Spuleneffekt: Eine nicht vollständig abgerollte Kabeltrommel wirkt wie eine Heizspule. Die Wärme kann aus dem Inneren der Trommel nicht entweichen.
- Kumulierung: Wenn mehrere Trommeln hintereinander gesteckt werden, erhöht sich der Gesamtwiderstand der Leitung. Wenn dann am Ende der Kette ein leistungsstarkes Gerät (z. B. ein Heizlüfter oder ein Baustrahler) angeschlossen wird, werden alle Kabel in der Kette belastet. Besonders die erste Trommel in der Kette (die direkt an der Wandsteckdose steckt) muss die gesamte Last tragen und kann überhitzen, was zu einem Kabelbrand führen kann.
2. Versagen der Schutzeinrichtungen (Schleifenimpedanz)
Dies ist der technisch wichtigste Grund, der oft unterschätzt wird:
- Sicherungsauslösung: Damit ein Leitungsschutzschalter (die Sicherung im Sicherungskasten) bei einem Kurzschluss sofort auslöst, muss ein sehr hoher Strom fließen.
- Der Widerstand: Je länger die Kabelstrecke ist, desto höher ist der elektrische Widerstand (Schleifenimpedanz).
- Das Risiko: Bei einer zu langen Kette aus Kabeltrommeln ist der Widerstand so hoch, dass im Falle eines Kurzschlusses nicht genügend Strom fließt, um die Sicherung innerhalb der vorgeschriebenen Zeit (Millisekunden) auszulösen. Das Kabel glüht dann weiter, die Isolierung schmilzt, und es kommt zum Brand oder zu einer dauerhaften gefährlichen Berührungsspannung an Gehäusen, ohne dass die Sicherung "rausfliegt".
3. Spannungsabfall
Mit zunehmender Länge der Leitung sinkt die Spannung, die am Endgerät ankommt (Spannungsfall).
- Elektromotoren (z. B. in Kreissägen oder Bohrhämmern) können durch zu niedrige Spannung heißlaufen und beschädigt werden.
- Elektronische Geräte können Fehlfunktionen zeigen oder gar nicht erst starten.
4. Überlastung der ersten Steckdose
Häufig verleitet das Kaskadieren dazu, an der letzten Trommel viele Geräte anzuschließen. Da alle diese Ströme durch die erste Steckdose und das erste Kabel fließen müssen, wird die zulässige Gesamtleistung (meist 3.500 Watt bzw. 16 Ampere) schnell überschritten, ohne dass der Nutzer es merkt, da die Last auf viele Trommeln verteilt scheint.
5. Mechanische Schwachstellen
Jede Steckverbindung ist ein Übergangswiderstand. Viele hintereinander gesteckte Verbindungen erhöhen das Risiko von Wackelkontakten, Funkenbildung (Lichtbögen) und Korrosion, was wiederum Hitze erzeugt.
Fazit und richtige Vorgehensweise:
- Regel: Nur eine Kabeltrommel pro Wandsteckdose.
- Länge wählen: Wenn die Distanz zu groß ist, muss ein ausreichend langes, einzelnes Verlängerungskabel mit passendem Querschnitt (z. B. 2,5 mm² statt der üblichen 1,5 mm² bei sehr langen Strecken) verwendet werden.
- Immer abrollen: Kabeltrommeln sollten bei hoher Last (über 1000 Watt) immer komplett abgerollt werden, auch wenn man nur 5 Meter Kabel benötigt.
- Auf Prüfzeichen achten: Nur Kabeltrommeln mit eingebautem Thermoschutzschalter verwenden.