Warum dreht der Bit im Schraubenkopf durch?
Dass ein Bit im Schraubenkopf durchdreht (auch „Überratschen“ genannt), kann verschiedene Ursachen haben. Meistens ist es eine Kombination aus falschem Werkzeug, falscher Technik oder minderwertigem Material.
Hier sind die häufigsten Gründe und wie du sie vermeidest:
1. Falsches Bit-System (Der Klassiker: PH vs. PZ)
Viele verwechseln die beiden gängigsten Kreuzschlitz-Typen:
- PH (Phillips): Läuft nach innen spitz zu.
- PZ (Pozidriv): Hat zusätzliche feine Stern-Linien zwischen den Hauptkreuzen.
- Das Problem: Wenn du ein PH-Bit in eine PZ-Schraube steckst (oder umgekehrt), hat das Werkzeug zu viel Spiel. Das Bit rutscht bei Belastung sofort nach oben aus der Schraube heraus (der sogenannte Cam-out-Effekt).
2. Falsche Größe
Selbst wenn das System stimmt, muss die Größe passen. Ein Bit der Größe PZ 1 in einer PZ 2 Schraube wird durchdrehen, sobald Widerstand entsteht, und dabei die Flanken der Schraube zerstören.
3. Zu wenig Anpressdruck
Besonders bei Akkuschraubern musst du mit vollem Körpergewicht axial gegen die Schraube drücken. Wenn der Druck nachlässt, drückt die Geometrie des Kreuzschlitzes das Bit nach oben aus dem Kopf heraus. Sobald es einmal kurz rattert, sind die scharfen Kanten von Bit und Schraube oft schon so beschädigt, dass sie keinen Halt mehr finden.
4. Abgenutzte Bits
Günstige Bits oder solche, die schon oft durchgedreht sind, haben abgerundete Kanten. Ein Bit ist ein Verschleißteil. Sobald die Kanten nicht mehr scharfkantig und präzise sind, sollte es entsorgt werden.
5. Schräger Winkel
Wenn du den Akkuschrauber nicht exakt gerade in der Flucht zur Schraube hältst, greifen die Flanken des Bits nur einseitig. Das führt fast zwangsläufig zum Durchdrehen.
6. Verschmutzter Schraubenkopf
Wenn Farbe, Dreck oder Holzspäne im Schraubenkopf sitzen, kann das Bit nicht tief genug eindringen. Die Kraftübertragung findet dann nur an den obersten Millimetern statt, die sofort wegbrechen.
7. Zu hohe Drehzahl
Wer mit maximaler Geschwindigkeit schraubt, gibt dem Bit keine Chance, sich in der Schraube zu "setzen". Wenn es dann rutscht, ist die Reibung bei hoher Drehzahl so groß, dass das Metall sofort weich wird oder weggeschliffen wird.
Tipps, um das Problem zu lösen:
- Der Gummiband-Trick: Wenn der Schraubenkopf schon leicht beschädigt ist, lege ein breites Gummiband zwischen Bit und Schraube. Das Gummi füllt die Lücken und erhöht den Grip.
- Schraubengrif-Paste: Es gibt spezielle Pasten mit feinen Diamantpartikeln, die den Reibwert extrem erhöhen.
- Auf Torx umsteigen: Wenn möglich, nutze Schrauben mit Torx-Antrieb (TX). Hier wird die Kraft nicht über Keilwirkung, sondern über Flächen übertragen. Ein Durchdrehen ist hier fast unmöglich, solange die Bit-Größe stimmt.
- Vorbohren: Besonders in hartem Holz verringert Vorbohren den Widerstand so weit, dass das Bit nicht mehr so leicht durchdreht.