Warum darf man unterschiedliche Motorölspezifikationen nicht wahllos mischen?
Das Mischen von Motorölen mit unterschiedlichen Spezifikationen ist technisch zwar meist möglich (die Öle verklumpen in der Regel nicht sofort), aber es ist aus mehreren Gründen nicht empfehlenswert. Das Hauptproblem ist, dass moderne Motoren hochkomplexe mechanische Systeme sind, die genau auf die chemischen Eigenschaften eines spezifischen Öls abgestimmt sind.
Hier sind die wichtigsten Gründe, warum man das wahllose Mischen vermeiden sollte:
1. Das „Schwächste-Glied-Prinzip“
Wenn man ein hochwertiges, teures Vollsynthetiköl mit einem minderwertigen Mineralöl mischt, verbessert man nicht das schlechte Öl, sondern man verschlechtert das gute Öl. Die Leistungsfähigkeit der Mischung orientiert sich immer am schwächsten Bestandteil. Die speziellen Schutzeigenschaften des hochwertigen Öls gehen verloren.
2. Unterschiedliche Additiv-Pakete
Motoröl besteht zu etwa 20–30 % aus Additiven (Zusatzstoffen für Reinigung, Korrosionsschutz, Verschleißschutz etc.). Jeder Hersteller verwendet eine eigene „Geheimrezeptur“.
- Chemische Wechselwirkungen: Die Additive sind genau aufeinander abgestimmt. Mischt man verschiedene Öle, können sich die Additive gegenseitig in ihrer Wirkung neutralisieren oder sogar negativ beeinflussen.
- Wirkungsverlust: Ein Öl, das Ablagerungen verhindern soll, könnte durch die Chemie eines anderen Öls daran gehindert werden.
3. Veränderung der Viskosität
Die Viskosität (Zähflüssigkeit) ist entscheidend für die Schmierung bei extremen Temperaturen.
- Mischt man ein sehr dünnflüssiges Öl (z. B. 0W-20) mit einem dickflüssigen (z. B. 15W-40), erhält man ein undefiniertes Zwischenprodukt.
- Gefahr: Bei einem Kaltstart fließt das Öl vielleicht nicht schnell genug an die Schmierstellen, oder bei extremer Hitze reißt der Schmierfilm ab, weil das Öl zu dünn wird.
4. Spezielle Anforderungen (Partikelfilter & Katalysatoren)
Moderne Dieselmotoren mit Rußpartikelfilter (DPF) benötigen „Low-SAPS“-Öle (aschearme Öle).
- Wenn man ein herkömmliches Öl beimischt, das einen hohen Anteil an Sulfatasche, Phosphor und Schwefel hat, verbrennen diese Stoffe und verstopfen den Partikelfilter unwiederbringlich. Das führt zu sehr teuren Reparaturen.
5. Verlust der Herstellergarantie
Automobilhersteller geben sehr genaue Freigaben (z. B. VW 507 00, Mercedes MB 229.51 etc.) vor. Wenn im Falle eines Motorschadens festgestellt wird, dass eine nicht freigegebene Mischung im Motor war, kann der Hersteller die Garantieleistung verweigern.
Die Ausnahme: Der Notfall
Es gibt eine wichtige Regel: Lieber mit dem „falschen“ Öl weiterfahren als mit zu wenig Öl! Wenn die Ölkontrollleuchte leuchtet und man an einer Tankstelle nicht das exakt passende Öl findet, sollte man das am besten verfügbare Öl nachfüllen. Jeder Motor übersteht eine Mischung kurzzeitig besser als einen Trockenlauf. In diesem Fall sollte man jedoch:
- Nur so viel wie nötig nachfüllen.
- Den Motor nicht voll belasten (keine High-Speed-Autofahrt).
- Zeitnah einen kompletten Ölwechsel inklusive Filter durchführen lassen.
Fazit
Man darf Öle mischen, wenn sie dieselbe Spezifikation und Freigabe haben (auch wenn sie von unterschiedlichen Marken sind). Man sollte sie nicht mischen, wenn sie unterschiedliche Viskositäten oder völlig unterschiedliche Spezifikationen (z. B. mineralisch vs. synthetisch) haben, da dies die Schutzleistung des Öls unvorhersehbar herabsetzt.