Warum darf ein Antennenkabel beim Verlegen niemals scharf geknickt werden?
Das scharfe Knicken eines Antennenkabels (Koaxialkabel) sollte unbedingt vermieden werden, da dies die physikalischen Eigenschaften des Kabels dauerhaft verändert und die Signalqualität massiv verschlechtert.
Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:
1. Veränderung des Wellenwiderstands (Impedanz)
Ein Koaxialkabel ist so konstruiert, dass der Innenleiter und der Außenleiter (das Geflecht/die Folie) in einem exakt definierten Abstand zueinander stehen. Dieser Abstand, zusammen mit dem Isoliermaterial (Dielektrikum) dazwischen, bestimmt den Wellenwiderstand (bei TV-Kabeln meist 75 Ohm).
Wenn das Kabel geknickt wird, wird das Dielektrikum an dieser Stelle zusammengedrückt. Der Abstand zwischen Innen- und Außenleiter verringert sich. Dadurch ändert sich an dieser Stelle der Wellenwiderstand.
2. Signalreflexionen (Echos)
An der Knickstelle entsteht durch den veränderten Widerstand eine sogenannte Fehlanpassung. Ein Teil des Signals wird an dieser Stelle wie an einer Mauer reflektiert und läuft zurück zur Quelle.
- Dies führt zu Signalverlusten (Dämpfung).
- Bei digitalen Signalen (DVB-S/C/T2) führt dies zu Bitfehlern, Klötzchenbildung oder einem kompletten Bildausfall.
3. Beschädigung der Abschirmung
Die Abschirmung besteht meist aus einer dünnen Aluminiumfolie und einem feinen Drahtgeflecht. Durch ein scharfes Knicken kann die Folie reißen oder das Geflecht auseinandergedrückt werden.
- Die Folge: Das Kabel wird anfällig für Störstrahlungen von außen (z. B. durch Mobilfunk/LTE, WLAN oder Elektromotoren). Gleichzeitig kann das Signal aus dem Kabel nach außen dringen und andere Geräte stören.
4. Bruch des Innenleiters
Der Innenleiter besteht oft aus massivem Kupfer oder kupferbeschichtetem Stahl. Durch mehrmaliges oder zu scharfes Knicken kann dieser Leiter brechen. Selbst wenn er nicht ganz durchreißt, entstehen Mikrorisse, die den Widerstand erhöhen und bei hohen Frequenzen zu massiven Problemen führen.
5. Dauerhafte Verformung
Das Material im Inneren (das Dielektrikum, meist ein spezieller Kunststoff oder Schaumstoff) ist nicht voll elastisch. Einmal scharf geknickt, kehrt es nicht mehr in seine ursprüngliche Form zurück, selbst wenn man das Kabel wieder gerade biegt. Der Schaden bleibt also dauerhaft bestehen.
Was ist zu beachten?
Anstatt das Kabel zu knicken, sollte man immer den Mindestbiegeradius einhalten.
- Faustregel: Der Biegeradius sollte mindestens das 5- bis 10-fache des Kabeldurchmessers betragen.
- Wenn ein Kabel um eine Ecke geführt werden muss, sollte dies in einem weiten Bogen geschehen.
- Muss man eine sehr enge Kurve (z. B. durch einen Fensterrahmen oder in einer engen Dose) bewältigen, gibt es spezielle Winkeladapter (F-Winkelstecker), die eine 90-Grad-Wende ermöglichen, ohne das Kabel zu beschädigen.