Warum brennen viele herkömmliche Shampoos in den Augen, während spezielle Babyshampoos dies nicht tun?
Das Brennen in den Augen bei herkömmlichen Shampoos im Vergleich zu speziellen Babyshampoos liegt vor allem an zwei Faktoren: den verwendeten Reinigungssubstanzen (Tensiden) und dem pH-Wert.
Hier sind die Details:
1. Die Art der Tenside (Waschsubstanzen)
Tenside sind dafür verantwortlich, Fett und Schmutz von Haar und Kopfhaut zu lösen.
- Herkömmliche Shampoos: Sie enthalten meist sogenannte anionische Tenside (z. B. Sodium Laureth Sulfate). Diese reinigen sehr gründlich und schäumen stark, sind aber relativ aggressiv gegenüber den Schleimhäuten. Wenn sie ins Auge gelangen, reizen sie die Hornhaut und die Nervenenden, was das typische Brennen auslöst.
- Babyshampoos: Hier werden meist amphotere oder nicht-ionische Tenside verwendet. Diese Moleküle sind größer und "sanfter". Sie dringen nicht so leicht in die Schleimhaut ein und reizen die Nervenenden im Auge kaum. Der Nachteil ist, dass sie meist weniger stark schäumen und Fett nicht ganz so effizient lösen wie die Tenside in Erwachsenen-Produkten.
2. Der pH-Wert
Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch eine Flüssigkeit ist.
- Unsere Haut hat einen natürlichen Säureschutzmantel mit einem pH-Wert von etwa 5,5 (leicht sauer). Viele Shampoos für Erwachsene sind auf diesen Wert eingestellt, um die Kopfhaut zu schonen.
- Die Tränenflüssigkeit im Auge hat jedoch einen pH-Wert von etwa 7,4 (neutral bis leicht basisch).
- Gelangt das leicht saure Erwachsenen-Shampoo (pH 5,5) ins Auge, entsteht ein chemischer Reiz durch den Säureunterschied – es brennt.
- Babyshampoos sind oft so eingestellt, dass ihr pH-Wert näher an dem der Tränenflüssigkeit liegt (ca. 7,0 bis 7,4). Dadurch empfindet das Auge die Flüssigkeit nicht als Fremdkörper oder Reizstoff.
3. Fehlender Lidschlussreflex bei Babys
Ein weiterer Grund für die Entwicklung dieser Shampoos ist biologischer Natur: Babys haben in den ersten Lebensmonaten noch keinen ausgeprägten Lidschlussreflex. Wenn ihnen Wasser oder Shampoo über das Gesicht läuft, lassen sie die Augen oft offen. Das Shampoo hat also mehr Zeit, direkt auf das Auge einzuwirken. Deshalb müssen die Inhaltsstoffe extrem mild sein.
Ein weit verbreiteter Mythos: Betäubungsmittel
Früher hielt sich hartnäckig das Gerücht, Babyshampoos würden leichte Betäubungsmittel enthalten, um das Auge "unempfindlich" zu machen. Das stimmt nicht. Solche Substanzen wären für Kosmetikprodukte streng verboten. Die Tränenfreiheit wird rein durch die Auswahl milder Inhaltsstoffe und die Anpassung des pH-Werts erreicht.
Warum nutzen Erwachsene nicht einfach immer Babyshampoo?
Theoretisch könnte man das tun, aber Babyshampoo ist darauf ausgelegt, den feinen Flaum von Babys zu reinigen, die kaum Talg (Fett) produzieren. Bei Erwachsenen, deren Kopfhaut deutlich mehr Fett und Stylingrückstände produziert, reicht die Reinigungskraft von Babyshampoo oft nicht aus. Das Haar kann dadurch strähnig oder schwer kämmbar werden.