Warum biegt oder knickt ein Kunststoffdübel beim Einschlagen mit dem Hammer um?
Das Umknicken eines Kunststoffdübels beim Einschlagen ist ein klassisches Problem beim Heimwerken. Physikalisch gesehen passiert dies, wenn der Widerstand im Bohrloch größer ist als die Stabilität des Dübels gegen axiale Belastung (das sogenannte Knicken).
Hier sind die Hauptgründe, warum das passiert:
1. Das Bohrloch ist zu klein oder zu eng
Dies ist der häufigste Grund. Wenn der Dübel zu stramm sitzt, ist die Reibung an den Seitenwänden so hoch, dass die Kraft des Hammerschlags nicht mehr ausreicht, um ihn vorwärts zu bewegen. Die Energie des Schlags muss irgendwohin – und da der Dübel nicht vorrücken kann, weicht er zur Seite aus und knickt.
- Ursache: Ein abgenutzter Bohrer (die Schneiden sind stumpf und bohren z. B. nur 7,8 mm statt 8 mm) oder der falsche Bohrerdurchmesser.
2. Bohrmehl im Loch
Wenn das Bohrloch nicht ausgesaugt oder ausgeblasen wurde, sammelt sich am Boden oder an den Seiten Bohrmehl an. Dieses Mehl verdichtet sich beim Einschieben des Dübels und wirkt wie ein massiver Pfropfen oder erhöht die Reibung massiv.
- Lösung: Loch immer aussaugen oder mit einer kleinen Bürste reinigen.
3. Zu hartes Material oder Hindernisse
Wenn man in Beton bohrt und auf einen sehr harten Kieselstein oder Bewehrungsstahl trifft, kann es sein, dass das Loch nicht die volle Tiefe erreicht hat oder an einer Stelle verengt ist. Wenn der Dübel dort anstößt, knickt er oben um.
4. Falsche Schlagtechnik (Schiefe Schläge)
Wenn man mit dem Hammer nicht exakt senkrecht auf den Dübelkopf trifft, entsteht eine seitliche Kraftkomponente. Da Kunststoff elastisch ist, führt ein schräger Schlag sofort dazu, dass der Dübel aus der Achse gedrückt wird und wegknickt.
- Tipp: Lieber viele leichte, gerade Schläge als ein paar feste, unkontrollierte.
5. Der Dübel ist zu weich oder von minderwertiger Qualität
Billige Dübel bestehen oft aus minderwertigem Kunststoff (Polyethylen statt hochwertigem Nylon). Nylon ist wesentlich temperaturstabiler und steifer. Billige Dübel werden besonders bei warmen Temperaturen weich und instabil.
6. Das Bohrloch ist nicht tief genug
Ein Dübel sollte immer etwas tiefer sitzen als die Wandoberfläche. Wenn das Loch 5 mm zu kurz gebohrt wurde, schlägt der Dübel unten auf, bevor er ganz versenkt ist. Die restliche Kraft des Hammers lässt den überstehenden Teil dann umknicken.
- Faustregel: Immer ca. 10 mm tiefer bohren, als der Dübel lang ist.
Tipps, um das Knicken zu verhindern:
- Bohrer prüfen: Ist die Hartmetallspitze noch breit genug?
- Reinigen: Bohrmehl muss raus.
- Tiefe markieren: Ein Stück Klebeband am Bohrer hilft, die richtige Tiefe zu finden.
- Ansetzen: Den Dübel erst mit der Hand so weit wie möglich eindrücken. Wenn er schon nach 1 cm klemmt, ist das Loch zu eng – nicht mit Gewalt weiterschlagen!
- Hilfsmittel: Wenn es gar nicht anders geht, kann man eine Schraube ein paar Millimeter in den Dübel drehen und vorsichtig auf den Schraubenkopf schlagen (aber Vorsicht: das kann den Dübel vorzeitig spreizen).