Warum befinden sich Lichtschalter in Deutschland standardmäßig auf einer Resthöhe von 105 Zentimetern?

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Die Standardhöhe von 105 Zentimetern für Lichtschalter in Deutschland ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Normung, Ergonomie und Barrierefreiheit.

Hier sind die wichtigsten Gründe, warum sich dieses Maß etabliert hat:

1. Die DIN-Norm (DIN 18015)

Der wichtigste Grund ist die DIN 18015-1 („Elektrische Anlagen in Wohngebäuden“). Diese Norm legt sogenannte Installationszonen fest.

  • Die Norm empfiehlt für Schalter eine „Vorzugshöhe“ von 1,05 m über dem fertigen Fußboden (OKFF – Oberkante Fertigfußboden).
  • Diese Festlegung hilft Elektrikern, Architekten und Bewohnern gleichermaßen: Man weiß blind, wo man hinfassen muss, und Leitungen werden einheitlich verlegt (meist senkrecht zur Schalterdose), was das Risiko verringert, beim Bohren ein Kabel zu treffen.

2. Ergonomie und „Natürliche Handhaltung“

Die Höhe von 105 cm entspricht bei einem durchschnittlich großen Erwachsenen etwa der Höhe der entspannt hängenden Hand bzw. des leicht angewinkelten Unterarms.

  • Man muss den Arm weder unnatürlich weit nach oben heben noch sich bücken.
  • Es ist die gleiche Höhe, auf der sich in der Regel auch Türdrücker (Türklinken) befinden. Da Lichtschalter meist direkt neben Türen platziert sind, ergibt sich so ein harmonisches Gesamtbild und eine intuitive Bedienung: Man greift auf derselben Ebene nach der Klinke und dem Schalter.

3. Barrierefreiheit (DIN 18040)

Ein entscheidender Faktor für die Festlegung auf 105 cm ist die Barrierefreiheit.

  • Rollstuhlfahrer: Für Menschen im Rollstuhl ist eine Höhe von 105 cm ideal, da sie den Schalter bequem aus dem Sitzen erreichen können. Wäre der Schalter höher (wie früher oft üblich), wäre er für Rollstuhlfahrer oder auch für kleine Kinder schwerer erreichbar.
  • Die DIN 18040 (Barrierefreies Bauen) schreibt genau dieses Maß vor, damit Gebäude für alle Menschen ohne fremde Hilfe nutzbar sind.

4. Historische Entwicklung

Früher (vor den 1970er Jahren) wurden Lichtschalter oft deutlich höher montiert, etwa auf 1,50 m (Augenhöhe).

  • Damals orientierte man sich eher an der Sichtbarkeit des Schalters.
  • Man erkannte jedoch, dass die tiefere Anordnung praktischer ist (man muss den Arm nicht so hoch heben) und dass Wände mit niedrigeren Schaltern optisch ruhiger wirken, da sie nicht so stark durch Unterbrechungen auf Augenhöhe „gestört“ werden.

Ausnahmen

Obwohl 105 cm der Standard ist, gibt es Abweichungen:

  • Steckdosen: Diese befinden sich standardmäßig in der unteren Installationszone auf 30 cm über dem Boden.
  • Arbeitsflächen: In der Küche werden Schalter und Steckdosen oft auf ca. 1,15 m bis 1,20 m gesetzt, um über der Arbeitsplatte und dem Spritzschutz zu liegen.
  • Schlafzimmer: Neben dem Bett werden Schalter oft tiefer montiert, damit man sie im Liegen bequem erreichen kann.

Zusammenfassend: Die 105 cm sind ein Kompromiss aus der Reichweite von Kindern, Rollstuhlfahrern und stehenden Erwachsenen sowie der Abstimmung auf die Höhe von Türklinken.