Verstopft eine dicke Schicht Wundschutzcreme die Poren und verhindert so die Hautatmung?

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Die kurze Antwort lautet: Ja, eine dicke Schicht Wundschutzcreme wirkt stark okklusiv (abdichtend), aber der Begriff „Hautatmung“ ist biologisch gesehen etwas irreführend.

Hier ist die detaillierte Erklärung, was dabei genau mit der Haut passiert:

1. Der Mythos der „Hautatmung“

Menschen atmen nicht wie Amphibien über die Haut. Die Sauerstoffaufnahme über die Hautoberfläche ist minimal und für die Sauerstoffversorgung des Körpers vernachlässigbar. Wenn man von „Hautatmung“ spricht, meint man meistens zwei andere Prozesse:

  • Abgabe von Wasserdampf (Transepidermaler Wasserverlust): Die Haut gibt ständig Feuchtigkeit nach außen ab.
  • Wärmeregulierung: Durch Schwitzen und die Durchblutung reguliert die Haut die Körpertemperatur.

2. Die Wirkung von Wundschutzcreme (Okklusion)

Wundschutzcremes (meist mit Zinkoxid, Wollwachs oder Paraffinen) sind bewusst so formuliert, dass sie eine Barriere bilden.

  • Zweck: Sie sollen die Haut vor äußeren Reizen schützen – im Windelbereich vor allem vor Urin und Stuhl, die die Haut angreifen.
  • Der Effekt: Eine dicke Schicht wirkt wie eine Versiegelung (Okklusion). Sie lässt kaum Feuchtigkeit von außen an die Haut, lässt aber auch kaum Feuchtigkeit von innen nach außen verdunsten.

3. Was passiert bei einer zu dicken Schicht?

Wenn die Schicht zu dick aufgetragen wird oder permanent auf gesunder Haut liegt, kann es zu Problemen kommen:

  • Hitzestau und Feuchtigkeitsstau: Unter der Fettschicht kann sich Schweiß ansammeln. Die oberste Hautschicht (Hornschicht) quillt auf (Mazeration).
  • Porenverstopfung: Die schweren Fette und Inhaltsstoffe können die Ausführungsgänge der Talgdrüsen blockieren, was zu kleinen Unreinheiten oder Entzündungen führen kann.
  • Keimwachstum: Das feucht-warme Milieu unter einer dicken Cremeschicht ist ein idealer Nährboden für Bakterien und Hefepilze (z. B. Candida).

4. Wann ist „dick“ sinnvoll und wann schädlich?

  • Bei akuter Rötung/Wundsein: Hier ist eine schützende Schicht sinnvoll, um die Heilung zu fördern und die Haut vor Reizstoffen zu isolieren. Zink wirkt zudem entzündungshemmend.
  • Zur täglichen Pflege (bei gesunder Haut): Hier ist eine dicke Schicht kontraproduktiv. Wenn die Haut gesund ist, sollte sie so viel Kontakt zur Luft wie möglich haben, damit die natürliche Barrierefunktion erhalten bleibt.

Fazit & Empfehlung

Eine dicke Schicht Wundschutzcreme „erstickt“ die Haut zwar nicht im Sinne eines Sauerstoffmangels, aber sie unterbricht den Feuchtigkeitsaustausch.

Die richtige Anwendung:

  1. Dünn auftragen: In der Regel reicht eine hauchdünne Schicht, durch die man die Haut noch leicht durchschimmern sieht.
  2. Nur bei Bedarf: Wundschutzcreme ist kein tägliches „Muss“ für gesunde Haut, sondern ein Schutz für gereizte Stellen.
  3. Luft ranlassen: Die beste „Atmung“ für die Haut (besonders beim Baby) ist es, die Haut regelmäßig ganz ohne Creme und Kleidung an der frischen Luft zu lassen.
  4. Reinigung: Reste der dicken Paste sollten beim nächsten Windelwechsel vorsichtig (am besten mit Öl) entfernt werden, damit sich darunter keine Bakterien sammeln.