Sind in herkömmlichen Stilltees bedenkliche Schadstoffe wie Pyrrolizidinalkaloide enthalten?

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Die kurze Antwort lautet: Ja, Pyrrolizidinalkaloide (PA) können in herkömmlichen Stilltees enthalten sein. Allerdings hat sich die Situation in den letzten Jahren durch strengere Kontrollen und gesetzliche Grenzwerte deutlich verbessert.

Hier sind die Details, die du dazu wissen solltest:

1. Was sind Pyrrolizidinalkaloide (PA)?

PA sind natürliche Inhaltsstoffe, die von bestimmten Pflanzen (z. B. Greiskraut oder Natternkopf) gebildet werden, um Fressfeinde abzuwehren. Diese Pflanzen wachsen oft als Unkraut auf den Feldern, auf denen die Kräuter für den Tee (wie Fenchel, Anis oder Kümmel) angebaut werden. Wenn bei der Ernte dieses Unkraut versehentlich mitgeerntet wird, gelangen die Schadstoffe in den Tee.

2. Warum sind sie problematisch?

  • Gesundheitsrisiko: PA können in hohen Dosen die Leber schädigen. In Tierversuchen haben sie sich zudem als krebserzeugend und erbgutverändernd erwiesen.
  • Besondere Vorsicht bei Babys: Da Stilltees indirekt (über die Muttermilch) oder direkt (wenn das Baby Fencheltee bekommt) aufgenommen werden können, ist hier besondere Vorsicht geboten, da Organismen im Wachstum empfindlicher reagieren.

3. Die aktuelle Situation (Gesetzeslage)

Die Problematik ist seit einigen Jahren bekannt (insbesondere durch Berichte des Bundesinstituts für Risikobewertung, BfR, und Öko-Test). Seit dem 1. Juli 2022 gilt in der EU eine neue Verordnung (Verordnung (EU) 2020/2040), die strenge Höchstgehalte für PA in Lebensmitteln festlegt, darunter auch für Kräutertees.

Das bedeutet:

  • Hersteller müssen ihre Rohstoffe strenger kontrollieren und die Erntetechnik verbessern.
  • Produkte, die die Grenzwerte überschreiten, dürfen nicht mehr verkauft werden.

4. Was sagen aktuelle Tests?

Untersuchungen von Organisationen wie Öko-Test oder Stiftung Warentest haben in der Vergangenheit immer wieder PA in Kräutertees nachgewiesen. In neueren Tests schneiden Stilltees jedoch meist deutlich besser ab als noch vor 5 oder 10 Jahren, da die Sensibilität der Hersteller gestiegen ist. Dennoch finden sich gelegentlich noch Spuren.

5. Empfehlungen für Stillende

Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, empfehlen Experten folgendes:

  • Abwechslung: Trinke nicht monatelang literweise denselben Stilltee derselben Marke. Wechsle zwischen verschiedenen Herstellern und Teesorten (z.B. auch mal Melisse, Hagebutte oder einfach Wasser).
  • Kein "Dauertrinken": Stilltee ist als Unterstützung gedacht, nicht als Hauptgetränk. Zwei bis drei Tassen am Tag gelten als unbedenklich.
  • Markenqualität: Große Hersteller und zertifizierte Bio-Marken haben oft aufwendigere Reinigungsprozesse und Laborkontrollen für ihre Kräuterchargen.
  • Bio ist kein automatischer Schutz: Da PA ein "Unkraut-Problem" und kein Pestizid-Problem sind, können auch Bio-Tees betroffen sein. Allerdings achten Bio-Anbauer oft manuell stärker auf die Sauberkeit ihrer Felder.

Fazit: Dank der seit 2022 geltenden EU-Grenzwerte ist das Risiko heute deutlich geringer als früher. Wenn du Stilltee in moderaten Mengen trinkst und die Marke hin und wieder wechselst, besteht nach aktuellem wissenschaftlichem Stand kein Grund zur Sorge.