Sind die im Mohn enthaltenen Opiatwerte beim Verzehr von Mohnbrötchen gesundheitlich unbedenklich?
Die kurze Antwort lautet: Ja, der Verzehr von haushaltsüblichen Mengen an Mohnbrötchen ist für gesunde Erwachsene in der Regel gesundheitlich unbedenklich.
Es gibt jedoch einige Details und Vorsichtsmaßnahmen, die man kennen sollte, da die Morphingehalte in Mohnsamen stark schwanken können.
Hier sind die wichtigsten Punkte zur Einordnung:
1. Woher kommen die Opiate im Mohn?
Mohnsamen selbst enthalten von Natur aus fast keine Opiate (Morphin oder Codein). Die Alkaloide befinden sich im Milchsaft der Kapsel. Bei der Ernte können die Samen jedoch mit diesem Saft verunreinigt werden. Je nach Erntetechnik und Mohnsorte kann die Belastung daher unterschiedlich hoch sein.
2. Warum das Backen hilft
Die gute Nachricht ist, dass die Opiatgehalte durch die Verarbeitung massiv gesenkt werden:
- Reinigen und Waschen: Ein Großteil der Rückstände auf der Schale wird entfernt.
- Hitze beim Backen: Temperaturen über 200 °C (wie sie beim Backen von Brötchen oder Kuchen entstehen) reduzieren den Morphingehalt deutlich.
- Mahlen/Quetschen: Auch die mechanische Bearbeitung trägt zum Abbau bei.
3. Grenzwerte und Empfehlungen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat Richtwerte für Morphin in Lebensmitteln festgelegt. In der EU wurden zudem 2022 neue Höchstgehalte für Morphin und Codein in Mohnsamen eingeführt, die für den Handel bindend sind. Diese Grenzwerte sind so niedrig angesetzt, dass selbst beim Verzehr größerer Mengen keine berauschende oder gesundheitsschädliche Wirkung zu erwarten ist.
4. Besondere Risikogruppen
Trotz der generellen Unbedenklichkeit gibt es Ausnahmen:
- Säuglinge und Kleinkinder: Da ihr Körper empfindlicher auf Opiate reagiert, sollten sie Mohn nur in sehr kleinen Mengen (oder gar nicht) verzehren. Es gab in der Vergangenheit Einzelfälle, in denen Kinder nach dem Verzehr von stark belastetem Mohn (meist Mohnkuchen oder Hausmittel) Schläfrigkeit zeigten.
- Schwangere: Hier wird zu einem moderaten Verzehr geraten, da Opiate plazentagängig sind. Ein Mohnbrötchen ab und zu ist aber kein Problem.
5. Das Problem mit dem Drogentest
Ein interessanter Nebeneffekt: Der Verzehr von Mohn (insbesondere bei Mohnkuchen, der viel mehr Mohn enthält als ein Brötchen) kann bei einem Urinschnelltest auf Opiate zu einem positiven Ergebnis führen. Der Test kann nicht zwischen "Drogenkonsum" und "Mohnkuchen" unterscheiden. In einem Labor (mittels GC-MS-Verfahren) lässt sich das jedoch differenzieren.
Fazit
Ein oder zwei Mohnbrötchen zum Frühstück sind absolut sicher. Die Menge an Mohn auf einem Brötchen ist sehr gering (meist nur wenige Gramm), und durch das Backen ist der Morphingehalt minimal.
Vorsicht ist lediglich geboten bei:
- Extrem großen Mengen an rohem Mohn.
- Der Verwendung von Mohn zur Beruhigung von Kindern (ein gefährlicher Mythos aus alten Zeiten).
- Mohntees aus den Kapseln (dies ist illegal und lebensgefährlich).