Sind als biologisch abbaubar deklarierte Teebeutel in herkömmlichen Kompostanlagen wirklich zersetzbar?
Die kurze Antwort lautet: Theoretisch ja, in der Praxis oft nein.
Obwohl viele Teebeutel als „biologisch abbaubar“ oder „kompostierbar“ deklariert sind, landen sie in der Realität oft in der Müllverbrennung statt im fertigen Kompost.
Hier sind die Gründe für diese Diskrepanz:
1. Der Zeitfaktor (Industrielle Standards vs. Realität)
Die meisten als kompostierbar zertifizierten Produkte orientieren sich an der europäischen Norm DIN EN 13432. Diese besagt, dass ein Material nach 12 Wochen in einer industriellen Anlage zu mindestens 90 % abgebaut sein muss.
- Das Problem: Moderne industrielle Kompostierungsanlagen arbeiten heute viel schneller. Der Rotteprozess dauert dort oft nur 4 bis 6 Wochen, um wirtschaftlich zu sein. Diese Zeit reicht nicht aus, um viele „Bio-Kunststoffe“ (wie PLA) vollständig zu zersetzen.
2. Das Material (Papier vs. Bio-Plastik)
- Klassische Papier-Teebeutel: Diese bestehen meist aus Abacá-Fasern oder Zellulose. Sie zersetzen sich in der Regel problemlos. Problematisch sind hier oft nur die Metallklammern oder die Schnur (falls diese mit Kunststoff verstärkt ist).
- Pyramiden-Teebeutel: Diese bestehen häufig aus PLA (Polymilchsäure), einem bio-basierten Kunststoff. Obwohl PLA biologisch abbaubar ist, benötigt es sehr spezifische Bedingungen (hohe Temperaturen über 60 °C und hohe Feuchtigkeit), die in der Natur oder in kurzen Kompostzyklen nicht erreicht werden. Für die Sortiermaschinen der Kompostwerke sieht PLA zudem aus wie herkömmliches Plastik.
3. Das Problem der „Störstoffe“
Da Kompostierungsanlagen hochwertigen Kompost verkaufen wollen, müssen sie Plastikrückstände vermeiden. Da die Mitarbeiter oder Maschinen am Fließband nicht unterscheiden können, ob ein Beutel aus „gutem“ Bio-Plastik oder „bösem“ Erdöl-Plastik besteht, werden beide als Störstoffe aussortiert und verbrannt.
4. Heimkompostierung
Auf dem eigenen Gartenkompost sind die Bedingungen (Temperatur und Mikroorganismen-Dichte) wesentlich schwächer als in der Industrie. Ein PLA-Teebeutel kann dort Jahre liegen, ohne sich zu verändern. Nur Teebeutel, die explizit als „Heimkompostierbar“ (OK compost HOME) zertifiziert sind, zersetzen sich im Garten innerhalb eines akzeptablen Zeitraums.
Fazit & Empfehlung
- Biotonne: In vielen Kommunen ist die Entsorgung von Bio-Plastik (auch Teebeuteln daraus) in der Biotonne mittlerweile untersagt, da sie den Betrieb stören.
- Restmüll: Wenn der Teebeutel nach Plastik aussieht (glänzend, pyramidenförmig, reißfest), gehört er im Zweifelsfall in den Restmüll.
- Die sicherste Methode:
- Losen Tee verwenden (vermeidet Müll komplett).
- Bei herkömmlichen Papierbeuteln: Etikett und Klammer/Faden entfernen, den Beutelinhalt in den Kompost geben und das Papier ebenfalls (oder in den Papiermüll).
- Achten Sie auf das Siegel „Heimkompostierbar“. Diese Beutel bestehen meist aus Zellulose ohne Kunststoffanteil und zersetzen sich zuverlässig.
Zusammenfassend: „Biologisch abbaubar“ bedeutet nicht automatisch, dass der Beutel in der lokalen Kompostanlage auch wirklich zu Erde wird. Oft ist es ein reiner Marketingbegriff, der die Entsorgungsrealität ignoriert.