Nach welchen Kriterien wird die passende Mörtelgruppe für ein Bauvorhaben ausgewählt?
Die Auswahl der passenden Mörtelgruppe ist entscheidend für die Stabilität, Dauerhaftigkeit und Schadensfreiheit eines Bauwerks. In Deutschland richtet sich die Klassifizierung primär nach der DIN EN 998-2 (für Mauermörtel) bzw. der DIN 18580.
Die Auswahl erfolgt nach diesen wesentlichen Kriterien:
1. Statische Anforderungen (Druckfestigkeit)
Das wichtigste Kriterium ist die benötigte Tragfähigkeit der Wand.
- Mörtelfestigkeit: Der Mörtel muss die vertikalen Lasten (Eigengewicht, Deckenlasten, Dach) und horizontalen Lasten (Wind) sicher übertragen.
- Abstimmung auf den Stein: Die Festigkeitsklasse des Mörtels muss zur Druckfestigkeitsklasse der verwendeten Steine passen.
- Faustregel: Der Mörtel sollte in der Regel etwas „weicher“ oder maximal gleich stark wie der Stein sein, um Spannungsrisse im Stein zu vermeiden.
2. Art des Bauteils und Standort
Wo wird gemauert? Die Lage entscheidet über die Belastung durch Feuchtigkeit und mechanische Einflüsse.
- Innenwände: Hier reicht oft ein Mörtel mit geringerer Festigkeit und guter Verarbeitbarkeit (z. B. MG II).
- Außenwände: Diese benötigen eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Schlagregen und Frost-Tau-Wechsel (z. B. MG IIa oder MG III).
- Kelleraußenwände / Fundamentbereich: Hier ist der Mörtel ständiger Feuchtigkeit und Erddruck ausgesetzt. Es wird meist ein hochfester, feuchtigkeitsunempfindlicher Zementmörtel (MG III) verwendet.
- Schornsteine: Erfordern speziellen temperatur- und säurebeständigen Mörtel.
3. Saugverhalten der Mauersteine
Die Kapillarität (Saugfähigkeit) des Steins beeinflusst, wie viel Wasser der Mörtel abgibt.
- Stark saugende Steine (z. B. Hochlochziegel, Porenbeton): Der Mörtel muss ein gutes Wasserrückhaltevermögen haben, damit er nicht „verdurstet“ (das Wasser wird dem Mörtel zu schnell entzogen, er bindet nicht richtig ab).
- Schwach saugende Steine (z. B. Klinker, Hartbrandziegel): Hier muss der Mörtel standfest sein und darf nicht „aufschwimmen“.
4. Bauphysikalische Anforderungen
- Wärmeschutz: Bei hochwärmedämmendem Mauerwerk (z. B. gefüllte Ziegel) werden oft Leichtmörtel (LM) verwendet, um Wärmebrücken in den Fugen zu minimieren.
- Verformungsverhalten: Kalkhaltige Mörtel (MG I, MG II) sind elastischer als reine Zementmörtel. Sie können leichte Setzungen oder thermische Spannungen besser ausgleichen, ohne zu reißen.
Kurzübersicht der gängigen Mörtelgruppen (nach DIN 18580):
| Mörtelgruppe | Bezeichnung | Hauptbestandteile | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|
| MG I | Kalkmörtel | Luftkalk | Historische Bausubstanz, Innenwände ohne statische Last. (Heute selten) |
| MG II | Kalkzementmörtel | Kalk + Zement | Allrounder für Innen- und Außenwände. |
| MG IIa | Kalkzementmörtel | Kalk + mehr Zement | Höher belastete Außenwände, Verblendmauerwerk. |
| MG III | Zementmörtel | Zement | Hoch belastetes Mauerwerk, Keller, Pfeiler, Fundamente. |
| MG IIIa | Zementmörtel | Zement (hochfest) | Extrem belastetes Mauerwerk, Ingenieurbau. |
Zusammenfassung des Entscheidungsweges:
- Was sagt der Statiker? (Vorgegebene Druckfestigkeitsklasse, z. B. M5, M10).
- Welcher Stein wird verwendet? (Anpassung an Saugverhalten und Festigkeit des Steins).
- Welche Umwelteinflüsse wirken? (Frost, Feuchtigkeit, Salzbelastung).
- Welche Funktion hat die Wand? (Tragend, nicht-tragend, dämmend).
Hinweis: In modernen Leistungsverzeichnissen werden Mörtel oft nach ihrer Druckfestigkeit bezeichnet (z. B. M5 statt MG II, M10 statt MG III), wobei das "M" für Mörtel und die Zahl für die Mindestdruckfestigkeit in N/mm² steht.