Muss ein echtes Vollkornbrot optisch immer dunkel sein?

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Die kurze Antwort lautet: Nein. Ein echtes Vollkornbrot muss optisch nicht dunkel sein.

Tatsächlich ist die Farbe eines Brotes oft ein schlechter Ratgeber, wenn es darum geht, den Vollkorngehalt zu bestimmen. Hier sind die wichtigsten Gründe dafür:

1. Die Getreideart entscheidet über die Farbe

  • Weizen- und Dinkelvollkorn: Diese Mehle sind von Natur aus eher hellbraun oder gräulich-beige. Ein reines Weizenvollkornbrot sieht deutlich heller aus als ein Roggenbrot.
  • Roggenvollkorn: Roggen ist von Natur aus dunkler. Da Vollkornbrote in Deutschland oft einen hohen Anteil an Roggen haben, hat sich das Bild „Dunkel = Vollkorn“ in unseren Köpfen festgesetzt.

2. Die „Optik-Falle“: Malz und Sirup

Viele Brote im Supermarkt oder beim Discounter sehen sehr dunkel (fast schwarz-braun) aus und wirken dadurch besonders gesund. Oft handelt es sich aber um normales Weißmehlbrot, das mit Malzextrakt, Rübensirup oder Zuckercouleur dunkel gefärbt wurde. Das macht das Brot zwar geschmacklich malzig, erhöht aber nicht den Ballaststoffgehalt.

3. Was macht ein Brot zum „echten“ Vollkornbrot?

In Deutschland ist die Bezeichnung „Vollkornbrot“ gesetzlich geschützt:

  • Es muss zu mindestens 90 % aus Vollkornmehl oder -schrot bestehen.
  • Beim Vollkornmehl wird das ganze Korn verarbeitet – inklusive der Schale (Kleie) und des Keimlings. Dort stecken die Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe.

4. Es gibt auch „weißes“ Vollkornmehl

In den USA ist „White Whole Wheat“ sehr beliebt. Das wird aus einer speziellen hellen Weizensorte gewonnen, die alle Bestandteile des Vollkorns enthält, aber optisch und geschmacklich kaum von Weißmehl zu unterscheiden ist. Auch bei uns gibt es fein vermahlene Vollkornmehle, die ein sehr helles, luftiges Brot ergeben.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Wenn du sichergehen willst, dass es echtes Vollkorn ist:

  1. Name: Steht „Vollkorn“ im Namen (z. B. Vollkornbrot, Dinkelvollkornbrot), müssen die 90 % eingehalten werden. Begriffe wie „Mehrkornbrot“, „Fitnessbrot“ oder „Klosterbrot“ sind keine geschützten Begriffe für Vollkorn.
  2. Zutatenliste: An erster Stelle sollte „Vollkornmehl“ oder „Vollkornschrot“ stehen.
  3. Gewicht: Vollkornbrot ist meist schwerer und kompakter als gefärbtes Weißbrot.

Fazit: Ein helles Brot kann ein echtes Vollkornbrot sein, während ein tiefbraunes Brot oft nur eine „Mogelpackung“ aus Weißmehl und Farbstoff ist. Nur die Bezeichnung „Vollkorn“ garantiert den Inhalt.