Können silikonhaltige Pflegemittel die Struktur des Leders langfristig austrocknen?

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Die kurze Antwort lautet: Ja, silikonhaltige Pflegemittel können das Leder langfristig austrocknen und seine Struktur schädigen.

Obwohl Silikon in der Lederpflege oft für einen schnellen Glanz und kurzfristige Wasserabweisung sorgt, gibt es mehrere Gründe, warum Experten von einer dauerhaften Anwendung abraten.

Hier ist die detaillierte Erklärung, was dabei im Leder passiert:

1. Der „Versiegelungseffekt“ (Sauerstoffmangel)

Silikonöle bilden einen geschlossenen, wasser- und luftundurchlässigen Film auf der Oberfläche des Leders. Leder ist jedoch ein poröses Material, das „atmen“ muss, um seinen Feuchtigkeitshaushalt zu regulieren.

  • Die Folge: Die natürliche Restfeuchtigkeit im Inneren der Lederfasern kann nicht mehr zirkulieren. Das Leder wird unter der Silikonschicht förmlich „erstickt“.

2. Barriere für echte Pflegestoffe

Leder benötigt regelmäßig rückfettende Substanzen (wie Lanolin oder hochwertige Öle), um die Fasern geschmeidig zu halten.

  • Die Folge: Wenn die Oberfläche mit Silikon versiegelt ist, können echte Pflegestoffe nicht mehr in die Poren eindringen. Selbst wenn Sie später ein hochwertiges Lederfett auftragen, erreicht dieses die Faserstruktur nicht mehr, da das Silikon wie eine Plastikschicht wirkt. Das Leder verhungert sozusagen unter dem Glanzfilm.

3. Verkleben der Fasern

Silikon zieht tief in die Poren ein und kann dort verharzen oder die feinen Lederfasern miteinander verkleben.

  • Die Folge: Die natürliche Dehnbarkeit und Elastizität des Leders geht verloren. Wenn das Leder bewegt wird (z. B. beim Gehen in Schuhen oder beim Hinsetzen auf ein Sofa), können die verklebten Fasern nicht mehr aneinander vorbeigleiten und brechen – es entstehen Risse.

4. Schwierige Reinigung und Reparatur

Silikon ist sehr hartnäckig. Einmal aufgetragen, lässt es sich nur schwer wieder entfernen.

  • Die Folge: Wenn das Leder einmal beschädigt ist, haften Reparaturmittel (wie Flüssigleder oder Lederfarbe) auf silikonbehandeltem Material extrem schlecht. Auch professionelle Reiniger scheitern oft an der silikonhaltigen Barriere.

Wann ist Silikon akzeptabel?

In moderner Imprägnierung (Sprays) ist Silikon oft enthalten, um Wasser abzustoßen. Das ist für den kurzzeitigen Schutz (z. B. bei Wanderschuhen) akzeptabel, solange die eigentliche Pflege (die Nährstoffzufuhr) mit silikonfreien Mitteln erfolgt.

Worauf sollten Sie achten?

Achten Sie beim Kauf von Lederpflege auf folgende Inhaltsstoffe bzw. Merkmale:

  • Gut: Bienenwachs, Lanolin (Wollfett), hochwertige pflanzliche Öle, Klauenöl (Neatsfoot oil).
  • Vermeiden: Begriffe wie „Silikonöl“, „Gloss-Finish“ (bei Billigprodukten) oder extrem billige Polituren aus dem Supermarkt, die einen „Sofort-Glanz ohne Polieren“ versprechen – diese sind fast immer silikonbasiert.

Fazit: Für die langfristige Werterhaltung von hochwertigem Glattleder sollten Sie auf silikonfreie Cremes und Balsame setzen. Silikon lässt das Leder zwar kurzzeitig schön aussehen, macht es aber über die Jahre spröde und irreparabel.

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