Können Inhaltsstoffe wie Zink in Haftcremes bei langfristiger Nutzung die Gesundheit beeinträchtigen?

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Ja, die langfristige und übermäßige Anwendung von zinkhaltigen Haftcremes kann tatsächlich zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Das Hauptproblem ist dabei nicht das Zink an sich (welches ein lebensnotwendiges Spurenelement ist), sondern ein durch Zinküberschuss ausgelöster Kupfermangel.

Hier sind die Details dazu, wie es dazu kommt und welche Risiken bestehen:

1. Der Mechanismus: Zink vs. Kupfer

Zink und Kupfer nutzen im Körper die gleichen Aufnahmewege im Darm. Wenn dem Körper über einen langen Zeitraum extrem hohe Mengen an Zink zugeführt werden (durch Verschlucken von Haftcreme-Resten), wird die Aufnahme von Kupfer blockiert. Da Kupfer für das Nervensystem und die Blutbildung essenziell ist, führt ein Mangel zu schweren Schäden.

2. Mögliche gesundheitliche Folgen

Ein durch Haftcreme verursachter Kupfermangel kann folgende Symptome auslösen:

  • Neurologische Störungen: Dies ist das größte Risiko. Es kann zu Gefühlsstörungen (Kribbeln, Taubheit) in Händen und Füßen kommen, zu Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen und Muskelschwäche. In schweren Fällen sind diese Schäden dauerhaft.
  • Blutbildveränderungen: Ein Kupfermangel kann zu einer Form der Blutarmut (Anämie) führen sowie zu einer Verringerung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie), was das Immunsystem schwächt.

3. Wann wird es gefährlich?

Die Gefahr besteht in der Regel nur bei falscher Anwendung.

  • Überdosierung: Viele Prothesenträger verwenden zu viel Haftcreme, weil die Prothese nicht mehr richtig passt. Statt die Prothese vom Zahnarzt unterfüttern oder anpassen zu lassen, wird die mangelnde Passform mit dicken Schichten Haftcreme ausgeglichen.
  • Verschlucken: Ein Teil der Creme wird über den Speichel gelöst und unbewusst verschluckt. Bei normaler Dosierung ist die Zinkmenge unbedenklich, bei massiver Überdosierung über Jahre hinweg summieren sich die Werte jedoch kritisch.

4. Die Reaktion der Hersteller

Dieses Problem wurde vor etwa 10 bis 15 Jahren bekannt, nachdem es in den USA zu Gerichtsprozessen gegen große Hersteller (wie Procter & Gamble oder GlaxoSmithKline) gekommen war.

  • Zinkfreie Produkte: Die meisten großen Marken (z. B. Blend-a-dent, Kukident, Corega) haben ihr Sortiment umgestellt. Heute sind viele der meistverkauften Haftcremes zinkfrei. Dies steht meist deutlich sichtbar auf der Verpackung.
  • Warnhinweise: Produkte, die noch Zink enthalten, müssen klare Warnhinweise zur Dosierung tragen.

Empfehlungen für die Praxis:

  1. Inhaltsstoffe prüfen: Achten Sie beim Kauf auf den Hinweis "zinkfrei" (oder "zinc-free"). Das ist die sicherste Methode, um das Risiko komplett auszuschließen.
  2. Sparsame Dosierung: Verwenden Sie nur so viel Creme wie nötig (meist reichen drei bis vier kleine Punkte).
  3. Zahnarztbesuch: Wenn die Prothese nur noch mit großen Mengen Haftcreme hält, ist sie wahrscheinlich nicht mehr passgenau. Eine Unterfütterung beim Zahnarzt ist dann medizinisch notwendig.
  4. Symptome ernst nehmen: Sollten Sie bei sich Taubheitsgefühle oder Gangstörungen bemerken und seit Jahren zinkhaltige Haftcreme verwenden, suchen Sie einen Arzt auf und erwähnen Sie die Haftcreme explizit.

Fazit: Bei sachgemäßer Anwendung moderner, zinkfreier Produkte besteht kein Risiko. Gefährlich ist lediglich die jahrelange Überdosierung alter, zinkhaltiger Rezepturen.