Können durch die falsche Dosierung von Entkalkungsmitteln Lochfraß oder Korrosion an Metallleitungen entstehen?
Ja, absolut. Eine falsche Dosierung oder Anwendung von Entkalkungsmitteln kann massiven Lochfraß und Korrosion an Metallleitungen und Bauteilen verursachen.
Hier sind die Gründe und Mechanismen, wie es dazu kommt:
1. Die chemische Reaktion
Entkalkungsmittel basieren in der Regel auf Säuren (z. B. Zitronensäure, Milchsäure, Sulfamidsäure oder im schlimmsten Fall Salzsäure). Diese Säuren haben die Aufgabe, Kalk (Calciumcarbonat) aufzulösen. Sobald der Kalk jedoch aufgelöst ist oder wenn die Konzentration zu hoch ist, greift die Säure das darunterliegende Metall an.
2. Warum die Dosierung entscheidend ist
- Zu hohe Konzentration: Wenn Sie mehr Entkalker verwenden als empfohlen, steigt die Reaktivität der Lösung. Die im Entkalker enthaltenen Inhibitoren (Schutzstoffe, die das Metall vor der Säure schützen sollen) sind nur für eine bestimmte Konzentration ausgelegt. Bei Überdosierung reicht ihre Schutzwirkung nicht mehr aus, und die Säure frisst sich in das Metall.
- Einwirkzeit: Eine falsche Dosierung geht oft mit einer zu langen Einwirkzeit einher. Je länger die aggressive Säure auf dem Metall verbleibt, desto tiefer kann sie eindringen.
3. Entstehung von Lochfraß (Pitting)
Lochfraß ist besonders tückisch, weil er das Metall nicht flächig abträgt, sondern punktuell in die Tiefe geht.
- Passivschicht-Zerstörung: Viele Metalle (wie Edelstahl oder Aluminium) haben eine dünne Oxidschicht, die sie vor Korrosion schützt. Starke Säuren (besonders chloridhaltige wie Salzsäure) können diese Schicht an kleinen Stellen durchbrechen.
- Lokale Elektrolyse: An der beschädigten Stelle entsteht eine kleine Anode, während der Rest des Metalls als Kathode fungiert. Das Metall löst sich an diesem winzigen Punkt extrem schnell auf, bis ein Loch entsteht – oft unbemerkt von außen.
4. Gefährdete Materialien
Unterschiedliche Metalle reagieren empfindlich auf verschiedene Säuren:
- Aluminium: Sehr empfindlich gegenüber vielen Säuren; es kann sich regelrecht auflösen.
- Kupfer: Kann bei falscher Entkalkung grünliche Korrosionsprodukte bilden und dünnwandig werden.
- Edelstahl: Ist besonders anfällig für Lochfraß durch Chloride (oft in billigen Entkalkern oder bei falscher Anwendung vorhanden).
- Verzinkte Stahlrohre: Hier kann die Zinkschicht komplett abgetragen werden, was sofort zu Rostbildung führt.
5. Weitere Faktoren, die das Risiko erhöhen
- Temperatur: Viele Entkalker dürfen nur kalt oder lauwarm angewendet werden. Erhitzt man eine überdosierte Entkalkerlösung (z. B. in einer Kaffeemaschine oder einem Boiler), beschleunigt die Hitze die chemische Reaktion und damit die Korrosion massiv.
- Mischen von Mitteln: Mischen Sie niemals verschiedene Entkalker. Dies kann unvorhersehbare chemische Reaktionen auslösen, die noch aggressiver auf Metalle wirken.
Tipps zur Vermeidung von Schäden:
- Herstellerangaben beachten: Halten Sie sich strikt an das Mischverhältnis auf der Verpackung.
- Spezial-Entkalker nutzen: Verwenden Sie für hochwertige Geräte (Siebträger, Vollautomaten) nur die vom Hersteller empfohlenen Mittel. Diese enthalten oft spezielle Inhibitoren für die verbauten Metalle.
- Gründlich spülen: Nach der Entkalkung muss unbedingt mehrfach mit klarem Wasser gespült werden, um alle Säurereste zu neutralisieren.
- Vorsicht bei Zitronensäure: Wenn man Zitronensäure heiß anwendet, kann sich Calciumcitrat bilden – ein weißer, steinharter Niederschlag, der Leitungen noch schlimmer verstopft als der ursprüngliche Kalk.
Fazit: "Viel hilft viel" ist beim Entkalken lebensgefährlich für Ihre Leitungen und Geräte. Eine Überdosierung führt oft direkt zu dauerhaften Materialschäden.