Kann man gewöhnliches Oliven- oder Kokosöl aus der Küche eins zu eins als Haaröl-Ersatz verwenden?

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Kurz gesagt: Ja, man kann sie verwenden, aber nicht immer „eins zu eins“ im Sinne der Anwendung.

Es gibt wichtige Unterschiede zwischen einem Speiseöl aus der Küche und einem kosmetischen Haaröl aus der Drogerie. Hier ist der Überblick, was du beachten solltest:

1. Der Hauptunterschied: Einzug vs. Film

  • Kosmetische Haaröle: Bestehen oft aus einer Mischung von leichten Ölen und Silikonen. Diese legen sich um das Haar, machen es sofort kämmbar und glänzend, fühlen sich aber nicht „fettig“ an, da sie teilweise verdunsten oder sehr dünnflüssig sind.
  • Küchenöle (Olive/Kokos): Sind reine Fette. Sie sind viel schwerer und ziehen entweder tief in das Haar ein oder hinterlassen einen deutlichen Ölfilm. Wenn du sie wie ein normales Haaröl nach dem Stylen benutzt, können deine Haare schnell strähnig und fettig wirken.

2. Kokosöl vs. Olivenöl: Welches für was?

Kokosöl: Der Tiefenpfleger

  • Wirkung: Kokosöl ist eines der wenigen Öle, die aufgrund ihrer Molekularstruktur tatsächlich in den Haarschaft eindringen können (statt nur obenauf zu liegen). Es reduziert den Proteinverlust des Haares.
  • Eignung: Ideal für trockenes, strapaziertes Haar.
  • Vorsicht: Manche Haartypen reagieren auf Kokosöl mit Sprödigkeit (vor allem bei Proteinüberschuss). Es wird bei unter 25 Grad fest, was die Anwendung im trockenen Haar erschweren kann.

Olivenöl: Der Feuchtigkeits-Booster

  • Wirkung: Es ist sehr reichhaltig und wirkt stark rückfettend. Es enthält viel Vitamin E und Antioxidantien.
  • Eignung: Sehr gut für dickes, krauses oder extrem trockenes Haar sowie für die Kopfhaut.
  • Vorsicht: Für feines Haar ist es meist viel zu schwer. Der Eigengeruch ist zudem gewöhnungsbedürftig.

3. Die richtige Anwendung (Der "Ersatz"-Trick)

Damit die Küchenöle funktionieren, ohne dass du ungepflegt aussiehst, solltest du sie anders anwenden als ein Drogerie-Produkt:

  1. Als "Pre-Poo"-Kur (Beste Methode): Massiere das Öl vor der Haarwäsche in die Längen (und ggf. Kopfhaut) ein. Lass es 30 Minuten oder über Nacht einwirken und wasche es dann gründlich mit Shampoo aus. So profitierst du von der Pflege, ohne den Fettfilm im Alltag zu haben.
  2. Im feuchten Haar: Ein winziger Tropfen (wirklich nur ein Tropfen!) in den Handflächen verreiben und in die nassen Spitzen kneten. Das Wasser hilft, das Öl zu verteilen.
  3. Nicht als Finish: Verwende Oliven- oder Kokosöl eher selten als Finish auf trockenem Haar, es sei denn, du hast sehr starke Locken, die extrem viel Fett aufsaugen.

4. Was sind die Nachteile gegenüber Kauf-Produkten?

  • Kein Hitzeschutz: Küchenöle bieten keinen Schutz vor Föhn oder Glätteisen. Im Gegenteil: Wenn du zu viel Öl im Haar hast und dann mit 200 Grad glättest, kannst du das Haar regelrecht „frittieren“.
  • Schwieriges Auswaschen: Olivenöl ist sehr hartnäckig. Du musst eventuell zweimal shampoonieren.
  • Geruch: Olivenöl riecht nach Küche, Kokosöl nach Urlaub – das muss man mögen.

Fazit

Du kannst sie hervorragend als intensive Kur nutzen. Als tägliches Finish-Öl für Glanz und Geschmeidigkeit sind sie oft zu schwer.

Tipp für Einsteiger: Probiere Arganöl oder Mandelöl aus der Küche (falls vorhanden). Diese sind meist „leichter“ als Olivenöl und kommen kommerziellen Haarölen am nächsten.