Ist der Begriff „Premium Gin“ gesetzlich geschützt oder handelt es sich lediglich um eine reine Marketingbezeichnung ohne Qualitätsgarantie?
Der Begriff „Premium Gin“ ist gesetzlich nicht geschützt. Es handelt sich dabei um eine reine Marketingbezeichnung, für die es keine verbindlichen Qualitätsvorgaben, festgelegten Herstellungsverfahren oder staatlichen Kontrollen gibt.
Hier sind die Details dazu, was rechtlich geregelt ist und was unter „Premium“ zu verstehen ist:
1. Was gesetzlich geregelt ist (EU-Spirituosenverordnung)
In der Europäischen Union (Verordnung (EU) 2019/787) ist genau definiert, was sich überhaupt „Gin“ nennen darf. Es gibt drei offizielle Kategorien, die rechtlich bindend sind:
- Gin: Die Basis ist Agraralkohol, der mit Wacholder und anderen Botanicals aromatisiert wird. Der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5 % Vol.
- Distilled Gin: Hier müssen die Aromen durch eine erneute Destillation von Agraralkohol mit den Botanicals gewonnen werden. Nachträgliches Hinzufügen von Aromen oder Farbstoffen ist jedoch erlaubt.
- London Gin (oder London Dry Gin): Dies ist die strengste Kategorie. Alle Aromen müssen durch die Destillation natürlicher Pflanzenstoffe gewonnen werden. Es dürfen nach der Destillation kein Zucker (über 0,1 g/l) und keine künstlichen Farbstoffe oder Aromen hinzugefügt werden.
Das Wort „Premium“ taucht in diesen gesetzlichen Definitionen nicht auf.
2. Warum wird „Premium“ verwendet?
Da der Begriff nicht geschützt ist, kann jeder Hersteller ihn auf das Etikett drucken – egal ob der Gin 10 Euro oder 50 Euro kostet. In der Branche wird er meist genutzt, um:
- Einen höheren Preis zu rechtfertigen.
- Eine besonders aufwendige Flaschengestaltung hervorzuheben.
- Den Eindruck von Exklusivität oder handwerklicher Herstellung („Small Batch“, „Handcrafted“) zu erwecken (wobei auch diese Begriffe meist rechtlich vage sind).
3. Woran erkennt man tatsächlich Qualität?
Da „Premium“ keine Garantie ist, sollten Sie auf andere Merkmale achten:
- Die Kategorie: Ein „London Dry Gin“ unterliegt strengeren Regeln als ein einfacher „Gin“. Dies ist ein besserer Indikator für den Herstellungsprozess.
- Der Alkoholgehalt: Ein höherer Alkoholgehalt (z. B. 42 % bis 47 % Vol.) ist oft ein Qualitätsmerkmal, da Alkohol ein Geschmacksträger für die ätherischen Öle der Botanicals ist. Billige Gins bleiben oft am gesetzlichen Minimum von 37,5 % Vol.
- Transparenz: Hochwertige Hersteller geben oft an, welche Botanicals verwendet werden, woher sie stammen und in welcher Art von Brennblase destilliert wurde.
- Die Basis: Wird ein besonders hochwertiger Basisalkohol (z. B. aus speziellem Getreide oder Wein) verwendet?
Fazit
Der Begriff „Premium Gin“ ist ein Werbeversprechen ohne Rechtsgrundlage. Er dient dazu, das Produkt im Regal wertiger erscheinen zu lassen. Eine Qualitätsgarantie leitet sich daraus nicht ab. Wenn Sie echte Qualität suchen, ist ein Blick auf die Verkehrsbezeichnung (z. B. London Dry Gin) und die Liste der Inhaltsstoffe hilfreicher als das Wort „Premium“.