Ist das Material der Kameratasche wirklich wasserdicht bei starkem Regen?
Die kurze Antwort lautet: In den meisten Fällen nein. Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen „wasserabweisend“ und „wasserdicht“.
Hier ist die detaillierte Erklärung, worauf du bei starkem Regen achten musst:
1. Wasserabweisend vs. Wasserdicht
Die meisten hochwertigen Kamerataschen bestehen aus Materialien wie Nylon oder Cordura, die mit einer DWR-Schicht (Durable Water Repellent) beschichtet sind.
- Wasserabweisend: Wasser perlt bei leichtem Nieselregen ab.
- Wasserdicht: Das Material lässt selbst bei hohem Druck (starker Regen oder Untertauchen) kein Wasser durch.
2. Die Schwachstellen: Nähte und Reißverschlüsse
Selbst wenn das Material selbst (z. B. eine Plane oder dickes Nylon) kein Wasser durchlässt, sind die Nähte und Reißverschlüsse die kritischen Punkte:
- Durch die Nadellöcher an den Nähten kann bei starkem Regen Feuchtigkeit ins Innere ziehen.
- Standard-Reißverschlüsse sind nicht dicht. Nur spezielle gummierte Reißverschlüsse (oft als „AquaGuard“ bezeichnet) bieten einen hohen Schutz, sind aber meistens auch nur „wetterfest“, nicht 100 % wasserdicht.
3. Was passiert bei starkem Regen?
Bei richtigem Starkregen oder Dauerregen passiert bei normalen Taschen Folgendes:
- Die Imprägnierung des Außenstoffs kapituliert nach einiger Zeit.
- Die Feuchtigkeit kriecht durch die Nähte.
- Im Inneren entsteht eine klamme Feuchtigkeit, die für Elektronik und Objektive (Schimmelgefahr!) gefährlich sein kann.
4. Die Lösung: Das Rain Cover (Regenhaube)
Die meisten Hersteller (wie Lowepro, MindShift oder Wandrd) liefern deshalb ein separates Rain Cover mit.
- Dieses besteht aus einem durchgehenden Stück wasserdichtem Stoff mit versiegelten Nähten.
- Nur mit diesem Überzug ist die Tasche wirklich für starken Regen gerüstet, da er die Reißverschlüsse und Nähte komplett abdeckt.
5. Wann ist eine Tasche wirklich „wasserdicht“?
Es gibt Ausnahmen. Taschen sind wirklich wasserdicht, wenn sie:
- Aus Tarpaulin (LKW-Plane) bestehen.
- Verschweißte Nähte haben (statt genäht).
- Einen Rollverschluss (wie bei Packsäcken) oder spezielle Tauch-Reißverschlüsse haben.
- Beispiele hierfür sind Marken wie Ortlieb oder spezielle Dry Bags.
Fazit – Was solltest du tun?
Wenn du eine normale Kameratasche kaufst:
- Verlasse dich nicht allein auf das Material („Wasserabweisendes Nylon“).
- Prüfe, ob ein Regenschutzüberzug dabei ist.
- Bei extremen Bedingungen (Bootstouren, Tropenregen) solltest du die Kamera zusätzlich in einen günstigen Dry Bag (Packsack) legen, bevor du sie in die Tasche steckst.
Um welche Tasche handelt es sich genau? Wenn du mir das Modell nennst, kann ich dir sagen, wie wetterfest sie tatsächlich ist.