Gibt es wissenschaftliche Belege für die versprochene Wirkung von Kieselerde auf Haare und Nägel?

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Die kurze Antwort lautet: Nein, es gibt keine wissenschaftlich belastbaren Belege, die eine signifikante Wirkung von Kieselerde-Präparaten auf die Gesundheit von Haaren und Nägeln bei gesunden Menschen bestätigen.

Hier ist die detaillierte wissenschaftliche Einordnung:

1. Das Urteil der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit)

Die EFSA ist die entscheidende Instanz in Europa, wenn es um die Zulassung von Gesundheitsversprechen (Health Claims) geht. Sie hat die Studienlage zu Silicium (dem Wirkstoff in Kieselerde) mehrfach geprüft.

  • Das Ergebnis: Es konnte kein kausaler Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Silicium und der Gesundheit von Haut, Haaren oder Nägeln festgestellt werden.
  • Die Konsequenz: Hersteller dürfen in der EU ihre Produkte eigentlich nicht mit Aussagen wie „stärkt die Nägel“ oder „für volles Haar“ bewerben, sofern sich diese Aussage direkt auf die Kieselerde bezieht. Oft behelfen sich Hersteller damit, den Produkten Zink oder Biotin beizumischen, für die solche Aussagen (unter bestimmten Bedingungen) erlaubt sind.

2. Die Studienlage

Es gibt zwar einige Studien, die positive Effekte nahelegen, diese weisen jedoch meist methodische Mängel auf:

  • Geringe Teilnehmerzahl: Viele Studien wurden nur mit sehr wenigen Personen durchgeführt.
  • Interessenkonflikte: Ein Großteil der Studien, die positive Effekte zeigen, wurde von den Herstellern der Präparate selbst finanziert oder in Auftrag gegeben.
  • Mangelnde Reproduzierbarkeit: Unabhängige, groß angelegte Doppelblindstudien, die den Effekt bestätigen, fehlen bislang.

3. Was ist Kieselerde eigentlich?

Kieselerde besteht hauptsächlich aus Siliciumdioxid. Silicium ist zwar ein Spurenelement, das im Körper in Knochen und Bindegewebe vorkommt, aber:

  • Kein essenzieller Mangel bekannt: Ein echter Siliciummangel ist beim Menschen unter normalen Ernährungsbedingungen nicht bekannt.
  • Vorkommen in Lebensmitteln: Wir nehmen Silicium bereits in ausreichender Menge über die normale Nahrung auf (vor allem über Vollkorngetreide wie Hafer und Gerste, Kartoffeln, Wurzelgemüse und Trinkwasser).
  • Aufnahme: Die Bioverfügbarkeit von Silicium aus herkömmlicher Kieselerde ist oft sehr gering, da es in einer Form vorliegt, die der Körper nur schwer aufnehmen kann.

4. Mögliche Risiken

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Stiftung Warentest warnen davor, Kieselerde über einen sehr langen Zeitraum hochdosiert einzunehmen:

  • Nierenschäden: Es besteht der Verdacht, dass die langfristige Einnahme großer Mengen Kieselerde die Bildung von Nierensteinen fördern oder die Nierenfunktion beeinträchtigen kann.
  • Schadstoffe: In der Vergangenheit wurden in einigen Kieselerde-Produkten Rückstände von Quarz oder Cristobalit gefunden, die beim Einatmen (als Staub) gesundheitsschädlich sein können.

5. Warum glauben viele trotzdem daran?

Dass viele Menschen subjektiv eine Besserung feststellen, kann zwei Gründe haben:

  1. Placebo-Effekt: Man achtet nach der Einnahme bewusster auf seine Nägel.
  2. Kombipräparate: Wie erwähnt, enthalten viele „Kieselerde-Tabletten“ zusätzlich Zink, Biotin oder Vitamine. Wenn tatsächlich ein Mangel an diesen Stoffen vorlag, bessert sich das Haut- oder Nagelbild – allerdings durch das Zink/Biotin, nicht durch die Kieselerde.

Fazit

Wenn Sie brüchige Nägel oder dünnes Haar haben, ist die Ursache oft eher ein Mangel an Eisen, Zink oder Biotin – oder schlichtweg genetisch bedingt. Eine ausgewogene Ernährung (Vollkornprodukte, Haferflocken, Nüsse) liefert normalerweise mehr als genug Silicium. Die Investition in teure Kieselerde-Präparate kann man sich aus wissenschaftlicher Sicht sparen.

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