Gibt es gesundheitliche Bedenken bezüglich der Innenbeschichtung von Weinschorle-Dosen?

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Die Frage nach gesundheitlichen Bedenken bei Innenbeschichtungen von Getränkedosen – insbesondere bei säurehaltigen Getränken wie Weinschorle – ist berechtigt und wird seit Jahren wissenschaftlich sowie regulatorisch diskutiert.

Hier sind die wichtigsten Aspekte, die du kennen solltest:

1. Warum gibt es überhaupt eine Beschichtung?

Aluminiumdosen müssen innen beschichtet sein, da Aluminium ein reaktives Metall ist. Ohne Schutzschicht würde die Säure des Weins (Weinsäure, Zitronensäure) und der Alkohol das Metall angreifen. Das hätte zwei Folgen:

  • Das Metall würde korrodieren und die Dose könnte undicht werden.
  • Aluminiumionen würden in das Getränk gelangen, was den Geschmack metallisch macht und gesundheitlich bedenklich wäre.

2. Das Hauptproblem: Bisphenol A (BPA)

Die meisten herkömmlichen Innenbeschichtungen bestehen aus Epoxidharzen. Für deren Herstellung wird oft Bisphenol A (BPA) verwendet.

  • Das Risiko: BPA ist ein endokriner Disruptor, das heißt, es wirkt ähnlich wie das Hormon Östrogen und kann das Hormonsystem beeinflussen. Es steht im Verdacht, Unfruchtbarkeit, Stoffwechselprobleme und Entwicklungsschäden bei Kindern zu begünstigen.
  • Migration: Es können kleinste Mengen BPA aus der Beschichtung in das Getränk übergehen („migrieren“), besonders bei längerer Lagerung oder Wärme.

3. Aktuelle rechtliche Lage (EU)

Die Europäische Union hat die Grenzwerte für BPA in den letzten Jahren drastisch gesenkt.

  • Verbot in Sicht: Die EU-Kommission hat Anfang 2024 weitreichende Verbote für BPA in Lebensmittelverpackungen angekündigt. Für die meisten Trinkdosen bedeutet dies ein Ende der BPA-haltigen Beschichtungen in naher Zukunft.
  • BPA-NI: Viele Hersteller setzen bereits auf „BPA-NI“ Beschichtungen (BPA Non-Intent). Das bedeutet, dass BPA nicht absichtlich als Inhaltsstoff hinzugefügt wurde.

4. Besonderheit Weinschorle: Säure und Alkohol

Weinschorle ist kritischer als Wasser, aber vergleichbar mit Cola oder Fruchtsäften:

  • Säure: Wein hat einen niedrigen pH-Wert (sauer). Säure begünstigt das Herauslösen von Stoffen aus der Beschichtung.
  • Alkohol: Alkohol wirkt als Lösungsmittel und kann die Migration von chemischen Substanzen aus der Kunststoffschicht theoretisch verstärken.
  • Moderne Lacke: Die Industrie hat spezielle Lacke entwickelt, die resistent gegen die spezifische Kombination aus Säure, Alkohol und Schwefel (der im Wein vorkommt) sind.

5. Gibt es Alternativen?

  • BPA-freie Dosen: Achte auf Kennzeichnungen wie „BPA-frei“ oder „BPA-NI“. Viele moderne Weinschorle-Dosen nutzen heute Polyester- oder Polyacrylat-Beschichtungen statt Epoxidharzen.
  • Glasflaschen: Wenn du jegliches Risiko durch Kunststoffe oder Metalle vermeiden willst, ist die klassische Glasflasche die sicherste Wahl. Glas ist inert, das heißt, es gibt keine Stoffe an den Inhalt ab.

6. Fazit: Wie riskant ist es?

  • Akute Gefahr: Nein. Die Mengen an Stoffen, die in den Körper gelangen, liegen bei gelegentlichem Konsum weit unter den derzeitigen Sicherheitsgrenzwerten.
  • Langzeitrisiko: Die Wissenschaft ist vorsichtiger geworden, weshalb die EU die Regeln verschärft. Wer sehr viel aus Dosen trinkt, nimmt kumulativ mehr dieser Stoffe auf.

Empfehlung: Wenn du dir Sorgen machst, ist es sinnvoll, Weinschorle eher aus Glasflaschen zu konsumieren. Wenn es die Dose sein muss (praktisch für unterwegs), achte darauf, dass die Dose kühl gelagert wurde und das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht weit überschritten ist, da die Migration von Stoffen mit der Zeit und bei Wärme zunimmt. Zudem sollten Dosen keine Beulen haben, da dabei die innere Schutzschicht reißen könnte.

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