Geben OSB-Platten gesundheitsschädliche Formaldehyd-Emissionen an die Raumluft ab?
Die kurze Antwort lautet: Ja, prinzipiell können OSB-Platten Formaldehyd abgeben, aber die gesundheitliche Relevanz hängt stark von der Art der Verleimung und der Qualitätsklasse ab.
Hier sind die wichtigsten Details, die man wissen sollte:
1. Warum enthalten OSB-Platten Formaldehyd?
OSB-Platten (Oriented Strand Board) bestehen aus langen Holzspänen, die mit Bindemitteln unter Hitze und Druck verpresst werden. Viele dieser Klebstoffe basieren auf Harzen, die Formaldehyd enthalten. Nach der Herstellung kann dieses Gas über lange Zeiträume in geringen Mengen an die Raumluft abgegeben werden.
2. Die verschiedenen Emissionsklassen
In Europa gibt es klare Grenzwerte, um die Gesundheit der Bewohner zu schützen:
- E1 (Standard): Dies ist der gesetzliche Mindeststandard für den Innenausbau. Platten der Klasse E1 dürfen nicht mehr als 0,1 ppm (parts per million) Formaldehyd an die Raumluft abgeben. In Deutschland wurden die Anforderungen 2020 sogar noch einmal verschärft (die Prüfmethode wurde strenger).
- E0 / E0,5: Viele Hersteller bieten Platten an, die deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Diese werden oft als „E0“ bezeichnet (auch wenn dies keine offizielle EU-Norm ist) und geben kaum mehr Formaldehyd ab als natürliches, unbehandeltes Holz.
- Formaldehydfrei verleimt: Viele moderne OSB-Platten werden mit MDI-Klebern (Isocyanaten) hergestellt. Diese Kleber enthalten kein Formaldehyd. Da Holz jedoch ein Naturprodukt ist, enthält es von Natur aus geringste Spuren an Formaldehyd, weshalb man technisch gesehen nie von „null“ sprechen kann, aber die Emissionen sind bei diesen Platten vernachlässigbar gering.
3. Worauf sollte man beim Kauf achten?
Wenn Sie sichergehen wollen, dass die Belastung so gering wie möglich ist, achten Sie auf folgende Siegel und Kennzeichnungen:
- Blauer Engel: Dieses Umweltzeichen ist eines der strengsten. Produkte mit dem Blauen Engel liegen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten und sind für den Wohnraum besonders zu empfehlen.
- Kennzeichnung „formaldehydfrei verleimt“: Suchen Sie in den Produktdatenblättern nach dem Hinweis auf eine PMDI-Verleimung.
- CE-Kennzeichnung: Sie garantiert, dass die EU-weiten Mindeststandards (E1) eingehalten werden.
4. Gesundheitliche Auswirkungen
Formaldehyd wurde von der WHO als „krebserzeugend für den Menschen“ eingestuft. Dies bezieht sich jedoch primär auf hohe Konzentrationen (z. B. am Arbeitsplatz in der Industrie). In Wohnräumen können zu hohe Werte zu:
- Reizungen der Augen und Atemwege
- Kopfschmerzen
- Konzentrationsstörungen
- Allergischen Reaktionen führen.
5. Tipps für die Praxis
- Lüften: Besonders bei Neubauten oder nach Renovierungen ist regelmäßiges Stoßlüften wichtig, um eventuelle Ausgasungen abzuführen.
- Beschichtung: Wenn OSB-Platten gestrichen oder lackiert werden, kann dies die Emissionen theoretisch verringern (sofern die Farbe selbst schadstofffrei ist). Allerdings sollte man bei großflächiger Verwendung im Innenraum direkt auf schadstoffarme Platten setzen.
- Temperatur und Feuchtigkeit: Hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit begünstigen das Ausgasen von Formaldehyd. Ein gesundes Raumklima (ca. 20 °C, 40-60 % Luftfeuchtigkeit) ist daher förderlich.
Fazit: Wenn Sie moderne OSB-Platten mit entsprechenden Qualitätssiegeln (wie dem Blauen Engel) kaufen oder solche, die explizit formaldehydfrei verleimt sind, besteht kein gesundheitliches Risiko nach aktuellem wissenschaftlichem Stand. Vorsicht ist lediglich bei sehr alten Platten (vor 1990er Jahren) oder billigen Importen ohne klare Kennzeichnung geboten.