Für welche Personengruppen ist die regelmäßige Nutzung eines Blutzuckermessgeräts medizinisch notwendig?

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Die regelmäßige Nutzung eines Blutzuckermessgeräts ist vor allem für Personen medizinisch notwendig, deren Körper den Blutzuckerspiegel nicht mehr selbstständig regulieren kann oder bei denen eine medikamentöse Therapie angepasst werden muss.

Hier sind die wichtigsten Personengruppen im Detail:

1. Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1

Bei dieser Gruppe ist die Messung lebensnotwendig. Da der Körper kein eigenes Insulin mehr produziert, muss das Insulin von außen zugeführt werden.

  • Warum: Um die benötigte Insulindosis exakt zu berechnen (passend zur Nahrungsaufnahme und Bewegung) und um lebensgefährliche Unterzuckerungen (Hypoglykämien) oder Überzuckerungen (Ketoazidosen) zu vermeiden.
  • Häufigkeit: In der Regel mehrmals täglich (vor den Mahlzeiten, vor dem Sport, vor dem Schlafengehen).

2. Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 (bei Insulintherapie)

Nicht jeder Typ-2-Diabetiker muss täglich messen, aber es wird notwendig, wenn:

  • Insulin gespritzt wird: Ähnlich wie bei Typ 1 muss die Dosis angepasst werden.
  • Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT): Hier ist eine engmaschige Kontrolle zwingend erforderlich.

3. Schwangere mit Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)

Wenn bei einer Schwangeren erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt werden, ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig.

  • Warum: Um das Risiko für Komplikationen bei der Geburt und Fehlbildungen oder ein übermäßiges Wachstum des Kindes (Makrosomie) zu minimieren. Oft reicht eine Ernährungsumstellung, die jedoch durch Messungen kontrolliert werden muss.

4. Patienten mit instabilem Stoffwechsel oder häufigen Unterzuckerungen

Einige Personen leiden unter einer sogenannten Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung. Sie spüren die Warnsignale des Körpers (Zittern, Schwitzen) bei zu niedrigem Blutzucker nicht mehr rechtzeitig.

  • Warum: Regelmäßiges Messen verhindert schwere Bewusstlosigkeit durch Unterzuckerung.

5. Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen

  • Sulfonylharnstoffe oder Glinide: Diese Medikamente (oft bei Typ-2-Diabetes eingesetzt) fördern die Insulinausschüttung und bergen ein hohes Risiko für Unterzuckerungen.
  • Hochdosiertes Cortison: Cortisonpräparate lassen den Blutzuckerspiegel stark ansteigen. Patienten, die langfristig oder hochdosiert Cortison einnehmen, müssen ihren Blutzucker oft überwachen (steroidinduzierter Diabetes).

6. Menschen mit anderen Diabetesformen (Sekundärer Diabetes)

Dazu gehören Personen, deren Bauchspeicheldrüse aufgrund anderer Erkrankungen geschädigt ist:

  • Nach einer Bauchspeicheldrüsen-Operation (Pankreatektomie).
  • Bei chronischer Pankreatitis.
  • Bei Mukoviszidose (Cystic Fibrosis Related Diabetes, CFRD).

7. In Akutsituationen (temporär notwendig)

Auch für Menschen, die normalerweise nicht messen müssen, kann es kurzzeitig notwendig sein:

  • Bei schweren Infekten oder Fieber (da der Blutzucker durch Stresshormone stark ansteigt).
  • Zur Ersteinstellung auf neue Medikamente, um zu sehen, wie der Körper reagiert.

Rechtlicher Hinweis zur Kostenübernahme (Deutschland)

In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Teststreifen und Messgeräte in der Regel nur dann dauerhaft, wenn eine Behandlung mit Insulin erfolgt. Bei Typ-2-Diabetikern ohne Insulintherapie werden Teststreifen meist nur in Ausnahmesituationen (z. B. bei instabiler Stoffwechsellage oder akuten Erkrankungen) erstattet.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Wenn Sie glauben, Ihren Blutzucker messen zu müssen, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Diabetologen.