Entzieht Rindenmulch dem Gartenboden während der Zersetzung wichtigen Stickstoff?
Die kurze Antwort lautet: Ja, Rindenmulch entzieht dem Boden während der Zersetzung Stickstoff.
Hier ist die genauere Erklärung, warum das passiert und wie man negative Folgen für die Pflanzen verhindern kann:
Warum passiert das? (Das C/N-Verhältnis)
Rindenmulch besteht fast ausschließlich aus holzigem Material, das sehr kohlenstoffreich (C), aber extrem stickstoffarm (N) ist. Man spricht von einem weiten C/N-Verhältnis.
Mikroorganismen (Bakterien und Pilze), die den Mulch zersetzen, benötigen für ihre Arbeit Energie (Kohlenstoff) und Baustoffe für ihre Zellen (Stickstoff). Da der Mulch selbst kaum Stickstoff liefert, holen sich die Mikroorganismen den benötigten Stickstoff aus der obersten Bodenschicht.
Dadurch entsteht eine sogenannte Stickstoffsperre (oder Stickstofffixierung): Der Stickstoff ist zwar noch im Boden vorhanden, aber er ist in den Mikroorganismen gebunden und steht den Wurzeln der Pflanzen vorübergehend nicht zur Verfügung.
Welche Folgen hat das für die Pflanzen?
Besonders junge Pflanzen oder "Starkzehrer" (Pflanzen mit hohem Nährstoffbedarf) leiden darunter. Typische Symptome für Stickstoffmangel sind:
- Kümmerlicher Wuchs.
- Hellgrüne bis gelbliche Verfärbung der Blätter (Chlorose), besonders bei den älteren Blättern.
Wie kann man den Stickstoffentzug verhindern?
Man muss den "Hunger" der Mikroorganismen stillen, damit sie den Stickstoff nicht aus dem Boden stehlen.
- Hornspäne ausbringen: Die bewährteste Methode ist es, vor dem Ausbringen des Rindenmulchs eine Handvoll Hornspäne (ca. 40–80 g pro Quadratmeter) auf die Erde zu streuen. Hornspäne sind ein organischer Stickstoffdünger, der sich langsam zersetzt – genau in dem Tempo, in dem die Mikroorganismen ihn für den Abbau des Mulchs benötigen.
- Kein Mulch bei Jungpflanzen: In Gemüsebeeten oder bei frisch gepflanzten, empfindlichen Blumen sollte man eher auf Rindenmulch verzichten oder nur sehr vorsichtig mit zusätzlicher Düngung arbeiten.
Weitere Auswirkungen von Rindenmulch
Neben dem Stickstoffentzug hat Rindenmulch noch zwei weitere wichtige Eigenschaften:
- Absenkung des pH-Werts: Rindenmulch (besonders von Nadelbäumen) ist sauer. Das ist ideal für Moorbeetpflanzen (Rhododendren, Hortensien, Heidelbeeren), kann aber für kalkliebende Pflanzen (wie viele Steingartenpflanzen oder Lavendel) problematisch sein.
- Gerbstoffe: Frischer Rindenmulch enthält Gerbstoffe, die das Keimen von Unkraut unterdrücken, aber auch das Wachstum empfindlicher Pflanzen hemmen können.
Fazit
Rindenmulch ist ein hervorragender Schutz gegen Unkraut und Austrocknung. Damit er den Pflanzen aber keine Nährstoffe raubt, sollte man immer eine Schicht Hornspäne darunter ausbringen. Für Gehölze und Sträucher ist er ideal, für Gemüsebeete und Blumenrabatten gibt es bessere Alternativen (z. B. Rasenschnitt oder feine Holzfaser).