Bietet die Fächeraufteilung gängiger Kellnerbörsen genug Platz für eine übersichtliche Trennung von Trinkgeld und Umsatz?
Die kurze Antwort lautet: Bedingt. Es kommt stark auf das Modell der Kellnerbörse und die persönliche Arbeitsweise an.
Gängige Kellnerbörsen sind primär darauf ausgelegt, Wechselgeld schnell griffbereit zu haben und Einnahmen nach Scheingrößen zu sortieren. Eine strikte Trennung von Umsatz und Trinkgeld ist im Standard-Layout oft nicht explizit vorgesehen, lässt sich aber mit ein paar Kniffen umsetzen.
Hier ist eine detaillierte Analyse der Aufteilung:
1. Die Scheinfächer (meist 5 bis 7 Fächer)
Standard-Börsen haben meistens 6 Scheinfächer. Profis nutzen sie oft so:
- Fächer 1–4: Für 5€, 10€, 20€ und 50€ Scheine.
- Fach 5: Für Belege (Bewirtungsbelege, Kreditkarten-Slipps).
- Fach 6: Hier wird es für das Trinkgeld interessant. Viele Kellner nutzen das hinterste oder vorderste Fach exklusiv für ihre eigenen Scheine (Trinkgeld).
Problem: Wenn man viele große Scheine (Umsatz) bekommt, wird es eng. Werden die Scheine nicht sofort getrennt, muss nach der Schicht mühsam auseinandergerechnet werden.
2. Das Reißverschlussfach (Der "Safe")
Die meisten hochwertigen Kellnerbörsen verfügen über ein zusätzliches Reißverschlussfach in der Mitte oder an der Rückwand.
- Vorteil: Dies ist der beste Ort, um Trinkgeld-Scheine sicher und getrennt vom restlichen Geld aufzubewahren.
- Nachteil: Es ist weniger "griffbereit". Im Stress landet das Trinkgeld dann doch oft erst einmal bei den Umsätzen.
3. Das Münzfach (Schüttelfach)
Hier liegt die größte Schwierigkeit. Das große Schüttelfach ist dafür da, Münzgeld schnell zu finden. Eine Trennung von "Umsatz-Münzen" und "Trinkgeld-Münzen" ist innerhalb eines einzigen Schüttelfachs nahezu unmöglich.
- Die Praxis: Die meisten Kellner werfen das Münzgeld-Trinkgeld einfach zum Wechselgeld. Am Ende der Schicht wird die Kasse auf den "Startbetrag + Umsatz" abgerechnet – alles, was übrig bleibt, ist das Trinkgeld.
Strategien für eine bessere Trennung:
Wenn dir eine klare Trennung wichtig ist, solltest du auf folgende Merkmale achten:
- Anzahl der Fächer: Wähle eine Börse mit mindestens 7 Scheinfächern. So kannst du eines fest für Trinkgeld oder Belege reservieren.
- Zusatzfächer: Manche Modelle haben kleine Einsteckfächer für "große" Scheine oder private Notizen, die man zweckentfremden kann.
- Die "Hosentaschen-Methode": Viele erfahrene Servicekräfte trennen das Trinkgeld gar nicht in der Börse. Münz-Trinkgeld wandert oft direkt in die Hosentasche (oder eine kleine separate Tasche am Gürtelholster), während nur der Umsatz in der Börse bleibt.
- Zweiteilige Systeme: Es gibt spezielle Holster, die neben der Kellnerbörse Platz für einen kleinen separaten Geldbeutel oder einen Clip für das Trinkgeld bieten.
Fazit
Für die Scheine bieten gängige Kellnerbörsen (sofern sie 6+ Fächer haben) genug Platz für eine Trennung. Für das Münzgeld bietet das Standard-Design jedoch keine übersichtliche Trennung.
Empfehlung: Such nach Modellen mit einem extra breiten Reißverschlussfach oder einer "Leitertabelle" (viele schmale Fächer), um zumindest die Scheine sauber zu trennen. Das Münzgeld lässt sich am effizientesten erst bei der Abrechnung nach Schichtende separieren.