Besteht bei sehr hohen Dosierungen von Omega-3-Kapseln ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern?

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Ja, nach aktuellem wissenschaftlichem Stand besteht bei der Einnahme von hochdosierten Omega-3-Fettsäuren (insbesondere Eicosapentaensäure/EPA und Docosahexaensäure/DHA) ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern.

Hier sind die wichtigsten Details dazu:

1. Die Studienlage

Mehrere große, randomisierte klinische Studien (wie REDUCE-IT, STRENGTH und OMEMI) haben in den letzten Jahren gezeigt, dass Patienten, die hohe Dosen von Omega-3-Präparaten einnahmen, häufiger Vorhofflimmern entwickelten als die Kontrollgruppen (die meist ein Placebo erhielten).

  • Dosis-Wirkungs-Zusammenhang: Das Risiko scheint dosisabhängig zu sein. In Studien, in denen 4 Gramm pro Tag verabreicht wurden, war das Risiko am deutlichsten ausgeprägt.
  • Meta-Analysen: Zusammenfassende Analysen verschiedener Studien bestätigen, dass das Risiko bereits bei Dosierungen von mehr als 1 Gramm pro Tag messbar ansteigt.

2. Offizielle Warnungen der Behörden

Aufgrund dieser Erkenntnisse haben die europäischen und deutschen Gesundheitsbehörden reagiert:

  • EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur): Im Jahr 2023 empfahl die EMA, Vorhofflimmern als häufige Nebenwirkung in die Produktinformationen von Arzneimitteln aufzunehmen, die Omega-3-Ethyl-Ester enthalten.
  • BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte): Auch in Deutschland wurden Rote-Hand-Briefe (Sicherheitsinformationen für Ärzte) herausgegeben, die auf dieses Risiko hinweisen.

3. Wer ist besonders gefährdet?

Das höchste Risiko wurde bei Patienten festgestellt, die bereits bestehende kardiovaskuläre Erkrankungen oder Risikofaktoren (wie Bluthochdruck oder erhöhtes Alter) hatten. Bei diesen Patienten werden Omega-3-Präparate oft zur Senkung sehr hoher Triglyceridwerte eingesetzt.

4. Einordnung: Nutzen vs. Risiko

Obwohl Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend wirken und positive Effekte auf die Blutfettwerte (Triglyceride) haben, muss das Risiko für Vorhofflimmern gegen den Nutzen abgewogen werden:

  • Bei moderatem Fischverzehr: Über die normale Ernährung (1-2 Portionen Fisch pro Woche) besteht nach heutigem Wissen kein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern.
  • Bei Nahrungsergänzungsmitteln: Viele frei verkäufliche Kapseln sind niedriger dosiert. Dennoch sollten Anwender vorsichtig sein, wenn sie eigenständig mehrere Kapseln kombinieren und so auf hohe Grammbereiche kommen.

Empfehlung

Wenn Sie Omega-3-Präparate in hohen Dosen einnehmen oder planen, dies zu tun:

  1. Rücksprache mit dem Arzt: Besprechen Sie die Dosierung, insbesondere wenn Sie bereits Herzprobleme haben.
  2. Symptome beobachten: Achten Sie auf Anzeichen von Vorhofflimmern wie Herzstolpern, Herzrasen, unerklärliche Kurzatmigkeit oder Schwindel.
  3. Absetzen bei Diagnose: Sollte Vorhofflimmern auftreten, wird empfohlen, das Präparat dauerhaft abzusetzen.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung.

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