Aus welchen alternativen Rohstoffen wie Hanf oder Reis kann Papier bestehen?

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Neben Holz gibt es eine Vielzahl von alternativen Rohstoffen, aus denen Papier hergestellt werden kann. Viele dieser Materialien wurden historisch sogar schon lange vor dem heute üblichen Holzschliff verwendet.

Hier sind die wichtigsten alternativen Rohstoffe für die Papierherstellung:

1. Hanf (Cannabis)

Hanf ist einer der ältesten und hochwertigsten Papierrohstoffe.

  • Vorteile: Hanffasern sind extrem reißfest und langlebig. Hanfpapier vergilbt kaum und kann deutlich öfter recycelt werden als Holzpapier. Zudem wächst Hanf sehr schnell und benötigt kaum Pestizide.
  • Verwendung: Dokumente (z. B. die Gutenberg-Bibel), Banknoten, Zigarettenpapier und Spezialpapiere.

2. Reis (bzw. Reisstroh)

Bei „Reispapier“ muss man unterscheiden:

  • Reisstroh: In Asien wird aus den Überresten der Reisernte (Stroh) Papier gewonnen. Es ist eher weich und saugfähig.
  • „Echtes“ Reispapier: Das traditionelle japanische oder chinesische Papier wird oft nicht direkt aus dem Reiskorn, sondern aus dem Mark des Reispapierbaums oder anderen Pflanzenfasern (wie Maulbeerbaum) hergestellt. Es ist dünn, lichtdurchlässig und wird für Kalligrafie oder Trennwände (Shoji) genutzt.

3. Grasschnitt

Graspapier ist ein aktueller Trend in der ökologischen Verpackungsindustrie.

  • Vorteile: Gras wächst regional auf Ausgleichsflächen. Die Aufbereitung benötigt extrem wenig Wasser (ca. 2 Liter pro Tonne im Vergleich zu 6.000 Litern bei Holz) und deutlich weniger Chemie und Energie, da das Lignin (der „Kleber“ im Holz) im Gras kaum vorhanden ist.
  • Verwendung: Eierkartons, Versandtaschen, Lebensmittelverpackungen.

4. Bambus

Bambus gehört botanisch zu den Gräsern, verholzt aber.

  • Vorteile: Er wächst extrem schnell (bis zu einem Meter pro Tag) und bindet viel CO2. Die Fasern sind lang und machen das Papier stabil.
  • Verwendung: Toilettenpapier, Küchentücher und Schreibpapier.

5. Bagasse (Zuckerrohr)

Bagasse sind die faserigen Überreste, die bei der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr übrig bleiben.

  • Vorteile: Es ist ein reines Abfallprodukt. Würde es nicht für Papier (oder Energie) genutzt, müsste es meist verbrannt werden.
  • Verwendung: Einweggeschirr, Take-away-Verpackungen und Kopierpapier.

6. Stroh (Weizen, Roggen)

Ähnlich wie Reisstroh können auch heimische Getreidestroh-Reste genutzt werden.

  • Vorteile: Es ist ein landwirtschaftliches Nebenprodukt, das ohnehin anfällt. Es schont die Wälder.
  • Verwendung: Wellpappe, Kartonagen und seit kurzem auch Hygienepapiere.

7. Silphie (Durchwachsene Silphie)

Diese Energiepflanze wird eigentlich für Biogasanlagen angebaut.

  • Vorteile: Aus den Gärresten können Fasern für die Papierherstellung gewonnen werden. Die Pflanze ist mehrjährig und gut für die Artenvielfalt (Bienenweide).
  • Verwendung: Obstschalen im Supermarkt, Drogerie-Verpackungen.

8. Baumwolle (Linters)

Oft werden Reste aus der Textilindustrie oder die kurzen Fasern der Baumwollpflanze (Linters) verwendet.

  • Vorteile: Sehr weich, extrem langlebig und chemisch sehr rein.
  • Verwendung: Banknoten (Euro-Scheine bestehen aus Baumwolle!), hochwertige Korrespondenzpapiere, Künstlerpapier (Aquarellpapier).

9. Steinpapier (Keine Pflanze)

Ein Spezialfall: Es besteht zu ca. 80 % aus Kalksteinmehl (Abfall aus Steinbrüchen) und zu 20 % aus einem Bio-Kunststoff (Polyethylen) als Bindemittel.

  • Vorteile: Wasserfest, reißfest, kein Wasser- und Bleichmittelverbrauch bei der Herstellung.
  • Verwendung: Tragetaschen, Notizbücher für den Außenbereich.

10. Kakao-Schalen oder Kaffeesatz

Auch Reste aus der Lebensmittelindustrie werden experimentell beigemischt, um dem Papier eine besondere Textur und Farbe zu geben.

Fazit: Während Holz heute der Standard ist, gewinnen Gras, Stroh und Hanf aus ökologischen Gründen (weniger Chemie- und Wasserverbrauch, Nutzung von Abfallströmen) massiv an Bedeutung. Jedes Material hat spezifische Eigenschaften in Bezug auf Reißfestigkeit, Haptik und Bedruckbarkeit.