Ab welcher prozentualen Längung muss eine Kette zwingend ausgetauscht werden?

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Das hängt entscheidend davon ab, um welche Art von Kette es sich handelt (Fahrrad, Motorrad oder Industriekette). Hier sind die gängigen Grenzwerte:

1. Fahrradketten (am häufigsten gefragt)

Bei Fahrrädern ist der rechtzeitige Wechsel wichtig, um die teureren Zahnkränze (Kassette) und Kettenblätter vor vorzeitigem Verschleiß zu schützen.

  • 0,5 % Längung: Bei Schaltungsketten, die auf Aluminium-Ritzeln laufen (oft bei hochwertigen, leichten Kassetten).
  • 0,75 % Längung: Der Standardwert für die meisten Stahl-Ritzel (9-fach bis 12-fach Schaltungen). Ab hier sollte die Kette getauscht werden.
  • 1,0 % Längung: Spätestens hier muss die Kette runter. Wer länger wartet, riskiert, dass die neue Kette auf den alten Ritzeln "springt", weil diese sich bereits an die gelängte Kette angepasst haben (dann muss auch die Kassette getauscht werden).
  • Singlespeed / Nabenschaltung: Hier sind oft bis zu 1 % tolerierbar, da die Kette nicht schalten muss.

2. Motorradketten

Motorradketten sind deutlich massiver, unterliegen aber extremen Kräften.

  • 1 % bis 2 % Längung: Die meisten Hersteller geben ein Verschleißmaß über eine bestimmte Anzahl von Kettengliedern an (z. B. Messung der Länge über 20 Glieder).
  • Faustregel: Wenn sich die Kette am hintersten Punkt des Kettenblatts mehr als ein paar Millimeter (ca. eine halbe Zahnhöhe) abheben lässt, ist sie verschlissen.
  • Wichtig: Motorradketten müssen sofort getauscht werden, wenn einzelne Glieder fest sind oder die O-Ringe/X-Ringe herausfallen.

3. Industrieketten (nach DIN / ISO)

In der Industrie gelten oft strengere Sicherheitsnormen.

  • 2 % bis 3 % Längung: In der allgemeinen Antriebstechnik gilt eine Kette bei einer dauerhaften Längung von 3 % als betriebsunfähig und muss ersetzt werden.
  • Bei Präzisionsantrieben oder wenn die Synchronität wichtig ist, wird oft schon bei 2 % gewechselt.

Wie misst man das?

  1. Kettenmesslehre (Fahrrad): Das einfachste Werkzeug. Die Lehre fällt bei 0,75 % oder 1,0 % in die Kettenglieder ein.
  2. Messschieber (Fahrrad):
    • Stellen Sie den Messschieber auf 119 mm ein.
    • Führen Sie ihn zwischen die Kettenglieder und ziehen Sie ihn auf.
    • 120,5 mm: Kette ist okay.
    • 120,8 mm bis 121 mm: Kette muss gewechselt werden.
  3. Zollstock (grobe Methode):
    • 10 volle Kettenglieder (Doppelglieder) haben im Neuzustand eine Länge von exakt 254 mm (10 Zoll).
    • Bei ca. 256 mm ist die Verschleißgrenze erreicht.

Zusammenfassend: Beim Fahrrad solltest du spätestens bei 0,75 % handeln, um Geld bei den Ritzeln zu sparen. In der Industrie sind meist 3 % das absolute Limit.