Vollständige Anleitung: Wie man .tar.gz und .tar.bz2 Dateien unter Linux installiert
Hier ist ein umfassendes Tutorial, wie du Archiv-Dateien unter Linux entpackst und installierst.
In der Linux-Welt begegnen dir häufig Dateien mit den Endungen .tar.gz oder .tar.bz2. Dabei handelt es sich um sogenannte "Tarballs" – komprimierte Archive, die entweder bereits fertige Programme (Binaries) oder den Quellcode eines Programms enthalten.
Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch den Prozess.
Schritt 1: Das Terminal öffnen
Die Installation dieser Dateitypen erfolgt fast immer über die Kommandozeile (Terminal). Öffne dein Terminal mit Strg + Alt + T oder über dein Anwendungsmenü.
Schritt 2: Die Datei entpacken
Zuerst musst du das Archiv entpacken. Der Befehl variiert leicht, je nachdem, welche Kompression verwendet wurde.
- Für .tar.gz Dateien:
tar -xzvf dateiname.tar.gz - Für .tar.bz2 Dateien:
tar -xjvf dateiname.tar.bz2
Erklärung der Kürzel:
-x: Extrahiere die Dateien (extract).-z: Verarbeite gzip-Dateien (.gz).-j: Verarbeite bzip2-Dateien (.bz2).-v: Zeige den Fortschritt an (verbose).-f: Gibt an, dass die folgende Zeichenfolge der Dateiname ist (file).
Schritt 3: In das neue Verzeichnis wechseln
Nach dem Entpacken entsteht ein neuer Ordner. Wechsle mit dem cd-Befehl in diesen Ordner:
cd dateiname
(Tipp: Nutze die Tab-Taste zur Autovervollständigung des Namens.)
Schritt 4: Die Dokumentation lesen (Wichtig!)
Bevor du blind Befehle eingibst, schaue nach, ob eine Anleitung im Ordner liegt. Nutze dazu ls, um die Dateien aufzulisten:
ls
Suche nach Dateien wie README, INSTALL oder README.md. Du kannst sie mit cat README oder less INSTALL lesen. Dort steht genau, wie die Entwickler die Installation vorgesehen haben.
Schritt 5: Die Installation durchführen
Je nachdem, was sich im Archiv befindet, gibt es zwei Hauptwege:
Szenario A: Es ist Quellcode (Kompilieren notwendig)
Dies ist der klassische Weg für die meisten Linux-Programme. Er besteht meist aus drei Schritten:
- Konfigurieren: Prüft, ob dein System alle Voraussetzungen erfüllt.
./configure - Kompilieren: Erstellt das ausführbare Programm aus dem Code.
make - Installieren: Kopiert die Dateien in die Systemordner (erfordert Administratorrechte).
sudo make install
Szenario B: Es sind fertige Binärdateien (Kein Kompilieren)
Manchmal enthält das Archiv bereits das fertige Programm. In diesem Fall findest du oft eine Datei, die wie das Programm heißt oder setup.sh endet.
- Mache die Datei ausführbar:
chmod +x programmname - Starte das Programm:
./programmname
Schritt 6: Abhängigkeiten (Fehlersuche)
Sollte der Befehl ./configure mit einer Fehlermeldung abbrechen, fehlen meist "Abhängigkeiten" (andere Softwarebibliotheken). Die Fehlermeldung verrät dir meist, was fehlt (z.B. "libssl not found"). Du musst diese Pakete dann über deinen Standard-Paketmanager (wie apt, dnf oder pacman) nachinstallieren.
Ein gängiges Paket, das viele Werkzeuge zum Kompilieren enthält, ist:
- Ubuntu/Debian:
sudo apt install build-essential - Fedora:
sudo dnf groupinstall "Development Tools"
Zusammenfassung
- Entpacken:
tar -xvf dateiname.tar.gz - Ordner betreten:
cd dateiname - Vorbereiten:
./configure - Bauen:
make - Installieren:
sudo make install
Hinweis: Wenn möglich, nutze immer zuerst den Paketmanager deiner Distribution (apt, software-center etc.), da dieser Updates automatisch verwaltet. Die Installation via Tarball sollte nur erfolgen, wenn die Software nicht anders verfügbar ist.