Tutorial: Tag zu Nacht verwandeln in Adobe Photoshop
Hier ist ein ausführliches Tutorial, wie du in Adobe Photoshop eine Tagesaufnahme in eine realistische Nachtszene verwandelst.
Der Effekt, am Tag zu filmen oder zu fotografieren und das Bild später in eine Nachtszene zu verwandeln, wird oft „Day for Night“ genannt. In Photoshop nutzen wir dafür Einstellungsebenen und Masken, um volle Kontrolle über die Lichtstimmung zu haben.
Schritt 1: Das passende Ausgangsbild wählen
Nicht jedes Bild eignet sich gleich gut. Am besten funktionieren Fotos mit einem eher bedeckten Himmel (weiches Licht). Harte Schlagschatten der Mittagssonne sind schwerer zu korrigieren, da sie nachts physikalisch keinen Sinn ergeben würden.
Schritt 2: Die Grundstimmung mit „Color Lookup“
Der schnellste Weg für die Basis-Blaustimmung ist die Color-Lookup-Tabelle (LUT).
- Gehe im Ebenen-Bedienfeld auf das Symbol für Neue Misch- oder Einstellungsebene.
- Wähle Color Lookup.
- Wähle im Dropdown-Menü „3DLUT-Datei“ eine Option wie „NightFromDay.CUBE“ oder „Moonlight.3DL“.
- Das Bild wird sofort dunkel und bläulich. Regle die Deckkraft der Ebene nach Bedarf (ca. 70-90 %).
Schritt 3: Belichtung und Kontrast anpassen
Nachts sind Details in den Schatten weniger sichtbar, und die Lichter sind gedämpfter.
- Erstelle eine Einstellungsebene Belichtung oder Kurven.
- Ziehe die Belichtung nach unten, bis die Szene dunkel genug wirkt.
- Erhöhe den Kontrast leicht, damit die dunklen Bereiche „absaufen“ (tiefer werden).
Schritt 4: Sättigung reduzieren
In der Nacht nimmt das menschliche Auge Farben weniger intensiv wahr (Stäbchensehen).
- Erstelle eine Einstellungsebene Farbton/Sättigung.
- Ziehe den Regler für die Sättigung nach links (ca. -20 bis -40).
Schritt 5: Künstliche Lichtquellen aktivieren (Fenster & Laternen)
Jetzt kommt der wichtigste Teil für den Realismus: Wir bringen Licht ins Dunkle.
- Erstelle eine neue leere Ebene.
- Wähle ein helles, warmes Gelb oder Orange als Vordergrundfarbe.
- Nutze das Lasso-Werkzeug oder den Zeichenstift, um Fensterflächen auszuwählen.
- Fülle diese Auswahl auf der neuen Ebene mit der Farbe.
- Ändere den Ebenenmodus auf „Ineinanderkopieren“ oder „Linaeres Licht“.
- Pro-Tipp: Klicke doppelt auf die Ebene, um die Ebenenstile zu öffnen. Füge einen „Schein nach außen“ (Outer Glow) hinzu, um das Leuchten der Fenster zu simulieren.
Schritt 6: Lichtschein malen (Glow-Effekt)
Lichtquellen beleuchten auch ihre Umgebung.
- Erstelle eine weitere Ebene unter den Fenstern/Laternen.
- Wähle einen sehr weichen Pinsel mit geringer Deckkraft (ca. 10-20 %).
- Male vorsichtig mit der warmen Farbe auf den Boden oder die Wände direkt neben den Lichtquellen.
- Setze den Ebenenmodus auf „Farbig abwedeln“ oder „Negativ multiplizieren“.
Schritt 7: Den Himmel anpassen
Wenn der ursprüngliche Himmel zu hell ist:
- Wähle den Himmel mit dem Schnellauswahl-Werkzeug aus.
- Erstelle eine Maske und ersetze ihn durch ein Foto eines Sternenhimmels oder eines dunklen Wolkenhimmels.
- Achte darauf, dass der neue Himmel farblich zur bläulichen Stimmung des restlichen Bildes passt.
Schritt 8: Finaler Schliff (Vignette)
Um den Fokus auf das Zentrum oder die Lichtquellen zu lenken:
- Erstelle eine neue Ebene und fülle sie mit Schwarz.
- Nimm einen großen, sehr weichen Radiergummi und lösche die Mitte der Ebene.
- Reduziere die Deckkraft auf ca. 20-40 %. Das erzeugt eine natürliche Vignette, die den nächtlichen Look abrundet.
Profi-Tipps für mehr Realismus:
- Reflektionen: Wenn es im Bild nass ist oder Glasflächen existieren, müssen sich die warmen Lichter darin spiegeln.
- Farbtemperatur: Nachtlicht ist nicht nur blau. In Städten hast du oft einen Mix aus kühlem Mondlicht (Blau/Cyan) und warmem Straßenlicht (Orange/Gelb). Dieser Kontrast macht das Bild lebendig.
- Rauschen: Digitale Nachtaufnahmen haben oft ein leichtes Rauschen. Gehe auf Filter > Rauschfilter > Rauschen hinzufügen (ca. 1-2 %), um den Look einer echten Nachtaufnahme zu imitieren.