Eigener WLAN-Router mit dem Raspberry Pi: Ein Schritt-für-Schritt-Tutorial
Hier ist ein ausführliches Tutorial, wie du deinen eigenen WLAN-Router auf Basis eines Raspberry Pi baust. In dieser Anleitung nutzen wir den Raspberry Pi, um eine bestehende Ethernet-Verbindung (LAN) über WLAN zu teilen.
Einen eigenen Router zu bauen, gibt dir volle Kontrolle über dein Netzwerk, ermöglicht Werbeblocker auf Netzwerkebene (wie Pi-hole) oder das Einrichten eines VPN-Gateways.
Voraussetzungen
- Raspberry Pi (Modell 3, 4 oder Zero 2 W empfohlen, da WLAN integriert ist).
- MicroSD-Karte (mind. 8 GB) mit frisch installiertem Raspberry Pi OS (64-bit oder Lite).
- Netzteil für den Raspberry Pi.
- Ethernet-Kabel für den Internetzugang.
- Ein Computer für den SSH-Zugriff.
Schritt 1: System aktualisieren und Software installieren
Zuerst bringen wir das System auf den neuesten Stand und installieren die benötigten Pakete: hostapd (erstellt den Access Point) und dnsmasq (verwaltet IP-Adressen und DNS).
- Verbinde dich per SSH mit deinem Pi.
- Führe folgende Befehle aus:
sudo apt update sudo apt upgrade -y sudo apt install hostapd dnsmasq iptables-persistent -y
Schritt 2: Statische IP für das WLAN-Interface (wlan0) vergeben
Damit der Pi als Router fungieren kann, benötigt das WLAN-Modul eine feste IP-Adresse.
- Bearbeite die Konfigurationsdatei:
sudo nano /etc/dhcpcd.conf - Füge am Ende der Datei folgenden Block hinzu:
interface wlan0 static ip_address=192.168.4.1/24 nohook wpa_supplicant(Erklärung: Der Pi hat im WLAN-Netzwerk die 192.168.4.1)
- Speichere mit
Strg+O,Enterund beende mitStrg+X.
Schritt 3: DHCP-Server konfigurieren (dnsmasq)
dnsmasq sorgt dafür, dass Geräte, die sich mit deinem WLAN verbinden, automatisch eine IP-Adresse erhalten.
- Sichere die alte Konfigurationsdatei:
sudo mv /etc/dnsmasq.conf /etc/dnsmasq.conf.orig - Erstelle eine neue Datei:
sudo nano /etc/dnsmasq.conf - Füge diesen Inhalt ein:
interface=wlan0 dhcp-range=192.168.4.2,192.168.4.20,255.255.255.0,24h domain=run.pinet address=/gw.run.pinet/192.168.4.1(Hier werden IPs von .2 bis .20 vergeben)
Schritt 4: Access Point konfigurieren (hostapd)
Jetzt legen wir den Namen (SSID) und das Passwort für dein WLAN fest.
-
Erstelle die Konfigurationsdatei:
sudo nano /etc/hostapd/hostapd.conf -
Füge folgenden Inhalt hinzu (passe
ssidundwpa_passphrasean):interface=wlan0 driver=nl80211 ssid=MeinPiRouter hw_mode=g channel=7 wmm_enabled=0 macaddr_acl=0 auth_algs=1 ignore_broadcast_ssid=0 wpa=2 wpa_passphrase=DeinSicheresPasswort wpa_key_mgmt=WPA-PSK wpa_pairwise=TKIP rsn_pairwise=CCMP -
Wir müssen dem System sagen, wo diese Datei liegt:
sudo nano /etc/default/hostapdSuche die Zeile
#DAEMON_CONF=""und ändere sie in:DAEMON_CONF="/etc/hostapd/hostapd.conf"
Schritt 5: IP-Forwarding aktivieren
Damit der Pi Datenpakete vom WLAN ins Internet (Ethernet) weiterleitet, muss das "Routing" aktiviert werden.
- Bearbeite die
sysctl.conf:sudo nano /etc/sysctl.conf - Suche die Zeile
net.ipv4.ip_forward=1und entferne das#davor (uncomment). - Aktiviere die Änderung sofort:
sudo sysctl -p
Schritt 6: Firewall und NAT einrichten
Jetzt verbinden wir das WLAN (wlan0) mit dem Internet-Anschluss (eth0) mittels Network Address Translation (NAT).
- Gib folgende Befehle ein:
sudo iptables -t nat -A POSTROUTING -o eth0 -j MASQUERADE - Speichere die Regeln, damit sie nach einem Neustart erhalten bleiben:
sudo sh -c "iptables-save > /etc/iptables/rules.v4"
Schritt 7: Dienste starten und testen
- Entsperre und aktiviere die Dienste:
sudo systemctl unmask hostapd sudo systemctl enable hostapd sudo systemctl enable dnsmasq - Starte den Pi neu:
sudo reboot
Fertig!
Nach dem Neustart solltest du auf deinem Smartphone oder Laptop ein WLAN mit dem Namen "MeinPiRouter" sehen. Sobald du dich verbindest, leitet der Raspberry Pi deine Anfragen über das Ethernet-Kabel ins Internet weiter.
Bonus: Sicherheitstipps
- Passwort ändern: Nutze niemals das Standard-Passwort für den Nutzer
pi. - Länderkennung: Falls das WLAN nicht startet, stelle sicher, dass die WLAN-Länderkennung (Regulatory Domain) in
sudo raspi-configunter Localization Options korrekt auf "DE" gesetzt ist. - Kühlung: Ein Raspberry Pi, der als Router fungiert, kann warm werden. Ein kleiner Kühlkörper oder ein Gehäuse mit Lüfter ist empfehlenswert.