Wurde die Burg Hochosterwitz in ihrer gesamten Geschichte jemals gewaltsam von Feinden eingenommen?
Die kurze Antwort lautet: Nein.
Die Burg Hochosterwitz in Kärnten gilt als eine der sichersten Festungen Europas und wurde in ihrer gesamten Geschichte niemals gewaltsam von Feinden eingenommen.
Hier sind die wichtigsten Gründe und historischen Details dazu:
1. Die 14 Tore
Das Markenzeichen der Burg ist der gewundene Burgweg, der durch insgesamt 14 befestigte Tore führt. Diese Verteidigungsanlage wurde im 16. Jahrhundert von Georg von Khevenhüller in ihrer heutigen Form ausgebaut. Die Tore sind so konstruiert, dass ein Angreifer jedes einzelne Tor unter schwerstem Beschuss und unter Einsatz von Rammböcken oder Sprengstoff hätte erobern müssen, während er auf dem schmalen Weg völlig exponiert war. Da die Burg auf einem steilen Kalksteinfelsen liegt, gab es keinen anderen Weg nach oben.
2. Die Legende von Margarete Maultasch
Es gibt eine berühmte Sage über eine Belagerung durch die Gräfin von Tirol, Margarete Maultasch (um 1334). Die Legende besagt, dass die Burgbewohner nach langer Belagerung fast verhungert waren und nur noch einen Ochsen und einen Sack Getreide hatten. Anstatt aufzugeben, schlachteten sie den Ochsen, füllten ihn mit dem restlichen Getreide und warfen ihn über die Burgmauer hinunter zu den Belagerern. Damit täuschten sie vor, noch so viele Vorräte zu haben, dass sie das Fleisch sogar wegwerfen könnten. Die entmutigte Margarete Maultasch soll daraufhin die Belagerung abgebrochen haben. (Historisch ist diese Geschichte allerdings nicht belegt).
3. Schutz gegen die Osmanen (Türkenkriege)
Im 15. und 16. Jahrhundert, als osmanische Streifscharen mehrmals Kärnten plünderten, diente Hochosterwitz der lokalen Bevölkerung als Zufluchtsort. Die Burg war so abschreckend und gut befestigt, dass die Angreifer meist gar nicht erst versuchten, sie zu belagern, sondern stattdessen das ungeschützte Umland plünderten.
4. Strategische Lage
Die Burg steht auf einem ca. 150 Meter hohen, isolierten Dolomitfelsen, der das Tal weithin überragt. Diese Lage machte es unmöglich, schwere Belagerungswaffen in eine effektive Position zu bringen, ohne selbst von oben unter Beschuss genommen zu werden.
Fazit: Dank ihrer genialen Architektur (insbesondere der 14 Tore) und ihrer Lage blieb die Burg Hochosterwitz über die Jahrhunderte unbesiegt. Sie ist heute noch im Besitz der Familie Khevenhüller und ein Symbol für Wehrhaftigkeit.