Woran erkennt man, dass der Überspannungsschutz nach einer Spannungsspitze verbraucht ist und nicht mehr schützt?
Überspannungsschutzgeräte (SPDs – Surge Protection Devices) funktionieren oft wie eine „Sollbruchstelle“ oder ein Schutzschild. Da die zentralen Bauelemente (meist Varistoren) bei jeder Ableitung ein Stück weit altern oder bei einem starken Ereignis komplett zerstört werden, verfügen fast alle modernen Geräte über Indikatoren.
Hier sind die wichtigsten Merkmale, an denen du erkennst, dass der Schutz verbraucht ist:
1. Optische Zustandsanzeige (Farbfenster)
Dies ist die häufigste Methode bei fest installierten Geräten im Sicherungskasten (Unterverteilung):
- Grün: Alles in Ordnung, der Schutz ist aktiv.
- Rot (oder manchmal Schwarz): Das Bauteil ist defekt. Der interne Trenner hat den überlasteten Varistor vom Netz getrennt, um einen Brand zu verhindern. Das Modul muss ausgetauscht werden.
2. Kontroll-LEDs (bei Steckdosenleisten)
Bei mobilen Überspannungsschutz-Steckdosenleisten gibt es meistens eine oder zwei Leuchten:
- „Protected“ / „Protection On“: Wenn diese LED erlischt, ist der Überspannungsschutz verbraucht.
- Wichtiger Hinweis: Manche Leisten lassen trotzdem noch Strom fließen, damit die Geräte weiterlaufen – sie sind dann aber völlig ungeschützt gegen die nächste Spitze. Andere Leisten schalten bei einem Defekt den Strom komplett ab (was sicherer ist).
3. Akustische Signale
Einige hochwertige Steckdosenleisten oder USV-Anlagen (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) geben einen Warnton (Piepsen) von sich, wenn die Schutzkomponente durchgebrannt ist.
4. Auslösen der Sicherung
Wenn nach einem Gewitter oder einer Spannungsspitze die Sicherung (LS-Schalter) oder der FI-Schutzschalter herausspringt und sich nicht wieder einschalten lässt, kann ein defekter Überspannungsschutz die Ursache sein. Er erzeugt dann einen dauerhaften Kurzschluss gegen Erde, um Schaden vom restlichen Haus fernzuhalten. In diesem Fall muss ein Elektriker das Modul prüfen/tauschen.
5. Physische Anzeichen (Brandgeruch/Verfärbung)
Bei sehr starken Einschlägen (z. B. naher Blitzeinschlag) kann die Energie so groß sein, dass:
- Das Gehäuse des Schutzelements verschmort oder verfärbt ist.
- Es streng nach verbrannter Elektronik riecht.
- Rußspuren am Gerät oder im Verteilerkasten zu sehen sind.
6. Fernsignalisierung (Profibereich)
Im gewerblichen Bereich oder bei hochwertigen Hausinstallationen haben die Schutzmodule einen „Fernmeldekontakt“. Dieser ist mit der Haussteuerung oder einer Meldeleuchte verbunden und schlägt Alarm, sobald das Modul ausfällt.
Was ist zu tun, wenn der Schutz verbraucht ist?
- Steckdosenleisten: Wenn die „Protected“-Lampe aus ist, sollte die gesamte Leiste ersetzt werden. Eine Reparatur ist meist nicht möglich oder unwirtschaftlich.
- Festinstallation (Sicherungskasten): Hier muss man nicht das ganze Gerät wegwerfen. Die meisten Hersteller (wie Dehn, Phoenix Contact, OBO Bettermann) bieten Steckmodule an. Man kann den defekten Einsatz einfach herausziehen und durch einen neuen des gleichen Typs ersetzen, ohne die Verdrahtung ändern zu müssen. Achtung: Dies sollte im Zweifelsfall ein Elektriker tun!
Wichtig: Ein Überspannungsschutz altert auch durch viele kleine, unbemerkte Spitzen im Stromnetz. Es empfiehlt sich daher, nach jedem schweren Gewitter oder bei der jährlichen Kontrolle einen Blick auf die Farbanzeige im Sicherungskasten zu werfen.