Woher stammt die Bezeichnung „Kaiserbrötchen“?
Die Bezeichnung „Kaiserbrötchen“ (in Österreich und Süddeutschland meist Kaisersemmel genannt) hat ihren Ursprung im Wien des 18. oder 19. Jahrhunderts. Es gibt keine einzelne, eindeutig belegte Geschichte, sondern mehrere populäre Theorien und Legenden darüber, wie das Gebäck zu seinem Namen kam:
1. Die Theorie vom Bäcker „Kayser“ (um 1750)
Dies ist eine der am weitesten verbreiteten Legenden. Ein Wiener Bäcker namens Peter Kayser soll um das Jahr 1750 die Semmel erfunden haben. Er veränderte die Backmethode so, dass die Semmel durch die Krustenbildung (die fünf sternförmigen Einschnitte) mehr Geschmack und Knusprigkeit erhielt. Seine Kollegen und Kunden nannten das Gebäck angeblich nach ihm „Kaysersemmel“.
2. Zu Ehren von Kaiser Franz Joseph I.
Eine andere Theorie besagt, dass die Semmel ihren Namen als Ehrenerweisung für den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. (regierte 1848–1916) erhielt. In seiner Regierungszeit wurde die Kaisersemmel zum Inbegriff feinster Wiener Backkunst. Der Begriff „Kaiser-“ wurde damals oft als Prädikat für besonders hochwertige Waren verwendet (ähnlich wie beim Kaiserschmarrn oder Kaiserwetter).
3. Die Preisregelung unter Kaiser Joseph II. (1789)
Diese Theorie hat einen historisch-bürokratischen Hintergrund: Ende des 18. Jahrhunderts waren die Brotpreise streng reglementiert. Die Bäckerinnung schickte 1789 eine Delegation zu Kaiser Joseph II., um eine Freigabe der Preise für hochwertige Weißgebäcke zu erwirken. Der Kaiser war von der Qualität der handgeformten Semmeln so beeindruckt, dass er die Preisbindung für dieses spezifische Gebäck aufhob. Als Dank nannten die Bäcker die Semmel „Kaisersemmel“.
4. Die „Krone“ im Aussehen
Die fünf sternförmig zusammenlaufenden Falten auf der Oberseite der Semmel erinnern mit etwas Fantasie an eine kaiserliche Krone. Da das Gebäck im Vergleich zum einfachen „Hausbrot“ oder „Schwarzen Brot“ aus feinstem, weißem Weizenmehl bestand, galt es als „königliche“ bzw. „kaiserliche“ Speise.
5. Sprachliche Bedeutung („Kaiser“ als Superlativ)
Im 19. Jahrhundert wurde das Vorwort „Kaiser-“ im österreichischen Deutsch oft allgemein für „das Beste seiner Art“ oder „höchste Qualität“ verwendet. Eine Kaisersemmel war schlicht eine Semmel von hervorragender Qualität, im Gegensatz zur einfacheren Mundsemmel oder dem groben Brot.
Was macht eine echte Kaisersemmel aus?
- Die Handarbeit: Die traditionelle „Wiener Kaisersemmel“ ist eine Handsemmel. Der Teig wird nicht einfach eingeschnitten oder gestempelt, sondern kunstvoll in fünf Falten (Schlägen) von Hand geschlagen.
- Das Material: Sie besteht aus Weizenmehl, Wasser (oder Milch), Hefe, Malz, Salz und etwas Fett (Butter oder Schmalz).
- Die Optik: Heute werden im Supermarkt oft „Kaiserbrötchen“ verkauft, die nur mit einem Sternstempel bedruckt sind. Kenner unterscheiden jedoch strikt zwischen der maschinell gefertigten „Stempelsemmel“ und der echten, handgeformten „Kaisersemmel“.
Fazit: Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus der Verehrung für das Kaiserhaus und der Verwendung des Wortes „Kaiser“ als Qualitätsbegriff für ein besonders feines, weißes Gebäck.