Wie wird Direktsaft industriell haltbar gemacht?
Bei der industriellen Herstellung von Direktsaft ist das Ziel, den Saft so schonend wie möglich haltbar zu machen, ohne den natürlichen Geschmack und die Vitamine zu stark zu beeinträchtigen. Da Direktsaft (im Gegensatz zu Fruchtsaftkonzentrat) nicht eingedampft wird, stehen vor allem thermische und mechanische Verfahren im Vordergrund.
Hier sind die wichtigsten Schritte und Methoden der industriellen Haltbarmachung:
1. Die Pasteurisierung (Standardverfahren)
Das am weitesten verbreitete Verfahren ist die Kurzzeiterhitzung (KZE).
- Ablauf: Der Saft wird für eine sehr kurze Zeit (meist 15 bis 30 Sekunden) auf eine Temperatur zwischen 80 °C und 95 °C erhitzt und sofort wieder abgekühlt.
- Wirkung: Durch die Hitze werden Mikroorganismen (Hefen, Schimmelpilze, Bakterien) abgetötet, die den Saft gären lassen oder verderben könnten. Zudem werden fruchteigene Enzyme deaktiviert, die sonst für eine Braunfärbung oder die Trennung von Trübstoffen sorgen würden.
- Vorteil: Die kurze Dauer schont die Inhaltsstoffe besser als ein langes Abkochen.
2. Entgasung (Entlüftung)
Bevor der Saft erhitzt wird, wird ihm oft der Sauerstoff entzogen.
- Warum? Sauerstoff fördert die Oxidation. Das würde dazu führen, dass Vitamin C abgebaut wird und sich die Farbe sowie das Aroma des Saftes negativ verändern.
- Wie? Dies geschieht meist in Vakuumbehältern, in denen der gelöste Sauerstoff aus der Flüssigkeit "herausgezogen" wird.
3. Aseptische Abfüllung
Damit der pasteurisierte Saft nicht sofort wieder mit Keimen aus der Luft in Berührung kommt, muss die Abfüllung unter sterilen Bedingungen erfolgen.
- Kalt-aseptische Abfüllung: Der Saft wird nach dem Erhitzen schnell abgekühlt und in einer keimfreien Umgebung (Sterilkammer) in Flaschen oder Kartons gefüllt. Das schont das Aroma besonders gut.
- Heißabfüllung: Der noch heiße Saft wird direkt in die Flaschen gefüllt. Die Hitze des Saftes sterilisiert dabei gleichzeitig die Innenseite der Verpackung und den Deckel.
4. Hochdruckbehandlung (HPP – Pascalisierung)
Ein modernes, besonders schonendes Verfahren, das immer öfter für "frische" Säfte aus dem Kühlregal genutzt wird.
- Ablauf: Der bereits abgefüllte Saft wird in einem Wasserbad einem extrem hohen Druck (bis zu 6.000 bar) ausgesetzt.
- Wirkung: Bakterien und Hefen werden durch den Druck mechanisch zerstört, während Vitamine und Aromastoffe (die sehr kleine Moleküle sind) intakt bleiben.
- Vorteil: Der Saft schmeckt fast wie frisch gepresst.
- Nachteil: Diese Säfte müssen meist trotzdem gekühlt gelagert werden und sind nicht so lange haltbar wie pasteurisierte Säfte.
5. Filtration und Klärung
Auch wenn dies primär der Optik dient, hilft es der Haltbarkeit:
- Bei klaren Säften werden Trübstoffe und Pektine durch Zentrifugen oder Ultrafiltration entfernt.
- Weniger Schwebstoffe bedeuten weniger Angriffsfläche für Enzyme und eine stabilere Struktur über die Lagerzeit.
6. Lagerung in Steriltanks
Große Keltereien pressen oft die gesamte Jahresernte in wenigen Wochen. Um den Saft das ganze Jahr über abfüllen zu können, wird er in riesigen Steriltanks (oft mehrere Millionen Liter groß) gelagert.
- Der Saft wird einmal pasteurisiert und unter einer Stickstoff-Atmosphäre (um Sauerstoffkontakt zu vermeiden) kühl gelagert, bis er für die endgültige Flaschenabfüllung benötigt wird.
Zusammenfassung
Die industrielle Haltbarkeit wird meist durch eine Kombination aus Sauerstoffentzug, Kurzzeiterhitzung und keimfreier Abfüllung erreicht. Dadurch ist ein Direktsaft im geschlossenen Zustand ungekühlt oft 6 bis 12 Monate haltbar, ohne dass Konservierungsstoffe (die bei Direktsaft laut Gesetz verboten sind) hinzugefügt werden müssen.