Wie wird die Qualität der Oberflächen bei Sperrholzplatten klassifiziert?
Die Qualität der Oberflächen von Sperrholzplatten wird in Europa primär nach der Norm DIN EN 635 klassifiziert. Dabei wird zwischen verschiedenen Holzarten (Laubholz, Nadelholz, Pappel etc.) unterschieden, da diese natürliche materialspezifische Merkmale aufweisen.
Die Klassifizierung bezieht sich fast ausschließlich auf die optische Beschaffenheit der Deckfurniere (z. B. Anzahl der Astlöcher, Risse, Verfärbungen) und nicht auf die technische Festigkeit der Platte.
Hier ist eine Übersicht der gängigen Qualitätsstufen:
1. Die gängigen Qualitätsklassen (nach EN 635)
Die Klassen werden meist mit römischen Ziffern (I bis IV) oder Buchstaben (E, A, B, BB, CP, C) angegeben. Oft finden Sie eine Kombination für Vorder- und Rückseite (z. B. B/BB).
- Klasse E (Edel):
- Praktisch fehlerfrei.
- Keine Äste, keine Risse, keine Verfärbungen.
- Wird sehr selten verwendet, meist nur für hochwertigste Möbel oder Instrumentenbau.
- Klasse I (entspricht oft „A“ oder „B“):
- Sehr gute Qualität.
- Nur sehr wenige, punktförmige gesunde Äste erlaubt.
- Keine Risse, keine Verfärbungen. Ideal für Klarlackierungen.
- Klasse II (entspricht oft „B“ oder „S“):
- Gute Qualität für dekorative Zwecke.
- Gesunde, festverwachsene Äste sind in geringem Maße erlaubt.
- Kleine Risse oder Astlöcher können fachgerecht mit Holzpaste oder „Schiffchen“ (Querflicken) ausgebessert sein.
- Gut geeignet zum Streichen oder für weniger sichtbare Möbelteile.
- Klasse III (entspricht oft „BB“ oder „CP“):
- Standardqualität für technische Zwecke oder zum Furnieren/Beschichten.
- Größere Äste, Astausfälle und Risse sind erlaubt, müssen aber verspachtelt sein.
- Verfärbungen und Leimdurchschlag können vorkommen.
- Klasse IV (entspricht oft „C“ oder „CC“):
- Verpackungsqualität / Konstruktionssperrholz.
- Alle natürlichen Holzfehler sind erlaubt (offene Astlöcher, Risse, Rindeneinschlüsse), solange die Stabilität der Platte nicht gefährdet ist.
- Nicht für sichtbare Zwecke geeignet.
2. Spezielle Bezeichnungen (Beispiel Birke/Pappel)
Im Handel trifft man oft auf die Buchstaben-Kombinationen, die ursprünglich aus dem osteuropäischen oder nordischen Raum stammen, aber international Standard sind:
- B: Hochwertig, hell, fast astrein (für Sichtflächen/Lackierung).
- BB: Aststellen sind durch Flicken (Schiffchen) ersetzt. Die Oberfläche ist geschliffen und glatt. Standard für Möbelbau.
- CP: Ähnlich wie BB, aber die Fehler werden nur verspachtelt, nicht durch Flicken ersetzt. Oft für Laminierung oder nicht sichtbare Bereiche.
- C (oder WG für „Wood Grain“): Nicht ausgebessert, kann offene Fehlstellen enthalten.
3. Was wird bei der Prüfung bewertet?
Die Sortierung erfolgt manuell oder maschinell nach folgenden Kriterien:
- Äste: Anzahl, Größe und Zustand (festverwachsen, schwarz, ausgefallen).
- Risse: Länge und Breite (offen oder geschlossen/verspachtelt).
- Verfärbungen: Natürlicher Kern oder lagerungsbedingte Flecken.
- Reparaturen: Anzahl der verwendeten Flicken (Schiffchen) pro Quadratmeter.
- Herstellungsfehler: Leimdurchschlag, Schleiffehler oder Unebenheiten.
4. Wichtiger Hinweis für den Kauf
Sperrholzplatten haben immer zwei Seiten. Die Angabe der Qualität erfolgt daher paarweise, zum Beispiel:
- B/BB: Eine Seite ist sehr schön (B), die Rückseite hat Flicken (BB).
- BB/BB: Beide Seiten haben Flicken (Standard für Werkstattmöbel).
- BB/CC: Eine Seite ist geschlossen und geschliffen, die andere Seite ist sehr grob (für Bodenbeläge oder verdeckte Konstruktionen).
Zusammenfassend: Wenn Sie eine Platte für ein Möbelstück suchen, das man später sieht, sollten Sie mindestens Klasse I/II bzw. B/BB wählen. Für reine Konstruktionen im Verborgenen reicht Klasse III/IV bzw. CP/C.